Dieters Fotoblog

Alles rund um das Thema Fotografie

“Ein Bild ist immer das Ende einer emotionalen Reise.” *

Es ist heiß in Deutschland, seit Tagen sehr heiß,  31° Celsius, um genau zu sein. Das jedenfalls meldet die digitale Wetterstation auf dem Balkon, gemessen im Schatten. Also wirklich sehr heiß.

Die Luft steht, kein Blatt an den Bäumen signalisiert einen erfrischenden Luftzug. Dazu kommt die Schwüle. Bei 88% Luftfeuchte klebt nicht nur die Kleidung am Leib, auch die Wetterstation signalisiert das Ende ihrer Messbereitschaft, Error, measured value is out of range. Selbst die Technik hat keine Lust bei dem Wetter.
Aber ich bin keine Maschine, kann mich nicht auf Betriebsparameter berufen, innerhalb derer ich blos zu funktionieren habe. Früh am Morgen mache ich mich auf dem Weg zur Arbeit, zweifele einen Moment, ob ich die Kamera überhaupt mitnehmen soll. Ich habe keine Lust, das zusätzliche Gewicht mit mir herum zu schleppen ist mir unter diesen Umständen zu anstrengend. Schließlich ist das nur eine Liebhaberei von mir, ich muss nicht davon leben, kann mir aussuchen, ob, wo, wann und was ich fotografiere. Aber meine Kamera streikt nicht, schert sich keinen Deut um das Wetter, erfüllt mit stoischer Gelassenheit die an sie gestellten Erwartungen. Irgendwie ist sie dann doch noch in meiner Tasche gelandet.

Nach Feierabend muss ich in die Stadt, es gibt noch etwas zu erledigen. Anstatt frischer Luft und einer etwas niedrigeren Temperatur auf der Heimfahrt über Land erwartet mich die stehende Hitze des Tages in den Häuserschluchten. Die Wände scheinen sich auf mein Kommen gefreut zu haben, so können sie einen Teil ihrer gespeicherten Hitze auf mich übertragen. Bleibe ich ihnen zu fern oder wechsele unbedacht die Straßenseite, führt mein Weg aus dem Schatten heraus in die pralle Sonne, wo mich die Hitze ihrer Strahlen ungehindert trifft. Ich schwitze, das Hemd klebt an den Armen, am Rücken und eigentlich am ganzen Oberkörper; ich fühle mich unwohl, gehe langsam, um nicht noch mehr zu schwitzen.
Endlich bin ich an meinem Ziel angekommen, muss warten, bis ich an der Reihe bin. Durch die großzügige Fensterfläche des Wartebereiches dringt viel Sonnenlicht in den Raum ein und bringt Wärme mit, viel Wärme. Viel Wärme erzeugt viel Schweiß. Nur ab und zu öffnet sich die Tür und lässt mit einem kühlen Hauch aus der Klimaanlage jemanden passieren.

Dann den Heimweg antreten, wieder zu Fuß durch die Stadt bis ich endlich in die nächste U-Bahn-Station abtauchen darf. Ich sehne mich nach dem kühlenden Luftstrom, der permanent aus den Tunneln strömt und das Warten auf den nächsten Zug dort unten erträglicher macht.
Mein Weg führt mich durch die pralle Sonne über den Kesselbrink. Plötzlich habe ich die Hitze vergessen, spüre ich nicht mehr, wie der Stoff auf der Haut klebt. Statt dessen habe ich wie von selbst die Kamera in der Hand und beginne zu fotografieren. Das dort installierte Wasserspiel hat eine kleine Menschenschar in seinen Bann gezogen, und während sich die Kinder mitten in den aufsteigen Wassersäulen tummeln und die Erfrischung genießen, schauen sich die Erwachsenen sichtlich belustigt dieses Schauspiel an.

Genau so wie ich, nur dass ich mit der Kamera zusehe. Ich habe meinen Spaß dabei und entdecke Unterschiede bei den kleinen Charakteren. Da ist zum Beispiel die kleine Tänzerin, wie sie mit ausgebreiteten Armen und eleganten Schwüngen zwischen den Wassersäulen umhertanzt, der kleine Fußballstar, der versucht, seinen Ball durch die Reihen zu manövrieren oder der kleine Draufgänger, der sich ungestüm von einem Wasserstrahl auf den anderen stürzt. Eine halbe Portion zwar nur, dafür aber mit doppeltem Spaßfaktor.
Fasziniert lasse ich die Kamera am Auge und betätige den Auslöser, ein ums andere Mal. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich dort ausgehalten habe, länger jedenfalls, als ich es vorhatte. Vergessen sind Hitze und Schwüle, ich merke nichts mehr von den klebenden Klamotten. Standortwechsel, einen anderen Blickwinkel wählen, nochmal näher ran. Ich habe meinen Spaß, komme mit den Umstehenden ins Gespräch. Wir schauen den Kindern beim plantschen zu, lachen und genießen, entspannen.

Es wird Zeit für den letzten Rest des Heimweges, hinab in die U-Bahn Station. Nach zwei Haltestellen geht es wieder ans Tageslicht, wegen der vielen Haltestopps verliert die Klimaanlage ab hier den Kampf gegen die Außenluft. Drinnen wie draußen der gleiche Zustand. Ich betrachte die Bilder auf dem Kameradisplay und bin zufrieden. Irgendwie macht mir das Wetter gar nichts mehr aus. Ich beginne zu verstehen, was der Autor meinte, als er den Satz verfasst hat, den ich als Überschrift zu diesem Artikel gewählt habe:

“Ein Bild ist immer das Ende einer emotionalen Reise.” *

* (Tim Gartside)

Alleine die Kinder mit der Kamera zu beobachten und die Geräusche des Wasserspiels ließen mich die Hitze vergessen. Und wenn ich genau auf mein Kameradisplay sehe kann ich noch immer das Plätschern hören.

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Unbeschwerter Wasserspaß für die Kinder. Schade, dass man sich als Erwachsener an anderen Verhaltensregeln orientiert. Da fällt mir ein: Läuft diese Anlage eigentlich auch nachts? 😉


 

 

Autor: Rt

Wissen wird nicht weniger wenn man es teilt. Jeder kann fotografieren, aber manchmal fehlt uns der eine oder andere Kniff oder es interessiert uns generell, wie etwas gemacht wird. Und weil ich sowieso am liebsten übers fotografieren plaudere habe ich angefangen, in diesem Blog das festzuhalten, was mich zum jeweiligen Zeitpunkt am meisten beschäftigt. Ob es dabei um grundlegende oder weiterführende Techniken geht oder ob ich über eine spezielle Anwendung berichte, und egal ob Ihr Euch als Anfänger betrachtet oder über reichlich Erfahrung verfügt: Ihr seid herzlich eingeladen auf diesen Seiten zu stöbern und mit zu diskutieren.

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