Dieters Fotoblog

Alles rund um das Thema Fotografie

Beitragsbild Blitzneiger

Wer entfesselt blitzen will interessiert sich früher oder später für entsprechendes Zubehör. Hier vergleiche ich drei Schirmneiger verschiedener Marken

Schirmneiger, Blitzneiger oder einfach nur Neiger, egal wie man die Dinger nennt, sie dienen alle einem einzigen Zweck, nämlich der Montage von diversen Lichtquellen auf einem dafür vorgesehenen Stativ, ob mit oder ohne Lichtformer. Als ich mich zum Kauf einiger Lichtstative entschlossen habe, wurde mir schnell klar, dass es ohne diese Neiger kaum geht. Nach einiger Suche im Internet wurden dann drei verschiedene Modelle angeschafft.

Mittlerweile habe ich einige Erfahrung damit sammeln können und herausgefunden, dass es durchaus lohnenswert sein kann, auch über solche vermeintliche „Kleinigkeiten“ nachzudenken.

Als Lichtquelle kommt sowohl Dauer- als auch Blitzlicht in Frage. Bei letzteren sind am häufigsten Aufsteckblitze, Studio-Blitze als Kompaktgerät oder als Blitzkopf mit getrenntem Generator in fotografischen Alltag zu finden.

Im beweglichen Schenkel des Neigers ist eine Aufnahmeöffnung für einen Schirm vorhanden, so dass dieser bei einer Veränderung des Abstrahlwinkels in der Neigung mit verstellt wird. Von diesen beiden Eigenschaften leitet sich der Name „Schirmneiger“ ab. Womit wir das schon mal geklärt hätten 😉

zum vergrößern anklicken

Drei Schirmneiger

Schirmneiger von Phottix, Dörr und Calumet (v. L. n. R.)

 

In meinem Fall sollten die Schirmneiger Aufsteckblitze, teils mit, teils ohne Lichtformer tragen. Als Lichtformer benutze ich Durchlicht– und Reflexschirme sowie 60cm x 60cm Softboxen, es ist also keine all zu große mechanische Beanspruchung zu erwarten.

Der Markt bietet einige Auswahl und in diversen Foren werden manche auch als weniger praxistauglich beschrieben. Um es gleich vorweg zu nehmen: alle von mir getesteten Modelle erfüllen ihre Aufgabe klaglos und ohne Probleme.

In meinem Sammelsurium finden sich mittlerweile Modelle von Phottix, Dörr und Calumet. Auffälligster Unterschied ist wohl der, dass die Modelle von Calumet als auch von Dörr bereits werksseitig einen Coldshoe montiert haben, auf den sich ein Aufsteckblitz wie in einen Blitzschuh der Kamera einschieben lässt. Mittels einer Schraube werden die seitlichen Führungen dieses Coldshoe enger zusammengebracht was zu einem Einklemmen des Blitzfußes führt und diesen so gegen herausfallen sichert.

Für die Montage auf dem Beleuchtungsstativ ist die übliche Spigot-Aufnahme vorhanden, die Neiger werden also einfach nur auf den Zapfen des Stativs gesteckt und mit der Schraube gesichert.

Dem gegenüber steht der Neiger von Phottix, der auch am oberen, beweglichen Ende über eine Spigot-Aufnahme verfügt. Diese ist für eine vertikale und horizontale Montage geeignet. Hierdurch ergibt sich die Möglichkeit, diesen Neiger auch mit Studioblitzen einzusetzen. Dieser Eigenschaft ist wohl auch die stabilere Ausführung und die etwas größere Bauform zu verdanken.

Dieses Plus an Stabilität merkt man auch beim Gewicht: der Phottix-Neiger wiegt in etwa doppelt so viel wie seine Konkurrenten.

Modell Gewicht
Phottix Varo II BG (incl. Spigot-Bolzen und Coldshoe) 290 g
Dörr 150 g
Calumet 142 g

Die Geräte von Phottix und Calumet fallen ebenfalls durch ihre Haptik auf, sie fühlen sich „hand- sympathisch“ an. Es gibt keine Kanten oder Ecken, die beim Hantieren unangenehm auf sich aufmerksam machen. Ein Blick in die Aufnahmebohrung für den Spigot – Bolzen legt die Vermutung nahe, dass hier ein Leichtmetallguss verwendet wurde. Die Dinger fühlen sich „wertig“ an, wirken stabil und zuverlässig, lassen eine lange Lebensdauer erwarten.

Gleiches kann ich über den Dörr-Neiger nicht sagen, hier wurde Kunststoff verwendet, man fühlt und sieht die Plastik-Bauweise. Besonders der rechteckige Aufnahmekasten für den Bolzen des Stativs schmeichelt der Hand deutlich weniger beim Anfassen; zumindest für mich gilt, dass ich deutlich häufiger zu einem der beiden anderen Geräte greife, wenn ich es mir aussuchen kann. Durch sein geringes Gewicht qualifiziert er sich zwar für unterwegs, wirkt aber in sich viel filigraner und beim Festziehen der Klemmschraube habe ich doch Bedenken, ich könnte den dünnen Kunststoffrahmen durch einen Quäntchen zu viel Spannung auseinandersprengen. Bisher ist allerdings noch nichts dergleichen passiert und zuverlässig gehalten hat die Befestigung auch.

Anders als zuerst von mir vermutet lässt sich doch kein Bolzen durch die im Bild zu sehende seitliche Öffnung stecken, es bleibt also nur die senkrechte Montage.Ich kann also nur raten, warum diese Öffnung dort existiert. Ob sie der Materialschrumpfung beim Spritzgieß-Prozess geschuldet ist oder im Studio-Einsatz „zur Kühlung“ dient, ich habe keine Ahnung 😉

Warum der Coldshoe länger ausgeführt wurde kann ich auch nicht ergründen, der Einsatz mit dem klassischen Durchlicht- oder Reflexschirm braucht das jedenfalls nicht.

Was die Baugröße betrifft so ragt der Neiger von Phottix hervor. Er übertrifft in der Länge seine Konkurrenten um 2,5 cm. Grund dafür ist die auch am feststehenden Schenkel verbaute Spigot-Aufnahme. Diese macht den Neiger noch universeller, taugt er doch auch zur Aufnahme von Studioblitzgeräten. Um im Vergleich zu den Aufsteckblitzen deren höherem Gewicht Rechnung zu tragen ist der Neiger nochmals etwas stabiler ausgeführt.

Hervorstechendes Merkmal allerdings ist eine zweite Öffnung, durch die der Spigot-Zapfen waagerecht hindurch gesteckt werden kann. Wozu das gut sein soll war mir nicht von vorneherein bewusst, allerdings möchte ich heute auf diese Option nicht mehr verzichten.

In aufgebautem Zustand sieht das Ganze dann etwa so aus wie hier am Beispiel des Neigers von Calumet zu sehen. In dem fest mit dem Neiger verschraubten Coldshoe sitzt ein Yongnuo RF-603 Funkauslöser, der seinerseits einen Aufsteckblitz beherbergt.

Der Schirmneiger von Calumet. Ein fest verbauter Coldshoe und die schräge Bohrung zur Aufnahme des Schirmachse prädestinieren ihn für Strobisten.

 

Der Schirmneiger von Calumet. Ein fest verbauter Coldshoe und die schräge Bohrung zur Aufnahme des Schirmachse prädestinieren ihn für Strobisten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass die Bohrung, in die der Schirm eingesteckt wird, schräg angebracht ist. So soll erreicht werden, dass der Lichtkegel, der vom Blitzgerät ausgeht, besser in die Mitte trifft und so eine symmetrische Lichtreflexion möglich ist.

Im unten stehenden Bild habe ich versucht, die Achsen und den Winkel dazwischen zu zeigen.

Gut zu erkennen: die Achse des Schirmes wird in spitzem Winkel zur Achse des Coldshoes geführt. So soll sichergestellt werden, dass der Blitz genau in die Mitte des Schirmes trifft.

Gut zu erkennen: die Achse des Schirmes wird in spitzem Winkel zur Achse des Coldshoes geführt. So soll sichergestellt werden, dass der Blitz genau in die Mitte des Schirmes trifft.

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer, denn so ganz genau geht dieser Plan nicht auf. Aufgefallen war mir dieser Umstand, als ich mich über die schlechte Lichtausbeute beim Blitzen mit dem silbernen Reflexschirm wunderte. An und für sich sollte diese silberne Beschichtung doch hoch reflektierend sein und für ein schönes, knackiges Licht sorgen, was aber offensichtlich nicht funktionierte. Ich musste meinen Blitz mit fast voller Leistung betreiben, und das bei nur ein bis zwei Meter Abstand. Irgendwie fehlte dem Licht der richtige „Dampf“, es schien, als schluckten diese Schirme eher das Licht als dass sie es reflektierten.

Ein paar Probefotos im Keller, gegen eine unbewaffnete Wand geschossen, bestätigten dann recht schnell meinen Verdacht. Die Bilder zeigen eine irgendwie außermittige Zentrierung des Lichtkegels. Das Licht wird in der üblichen Montageform durch die “Parabolform” des Schirms stark in eine Richtung gelenkt und es ist nur schwer vorherzusehen, wo das Mopped hinleuchtet. Meiner Meinung nach also bei Sachaufnahmen oder Portraits, wo ich auf kürzere Entfernung arbeite, nur bedingt bis gar nicht geeignet. Aber die Schuld ist nicht bei den Schirmen zu suchen, sondern beim verwendeten Neiger. Und genau an dieser Stelle kommt der Phottix-Neiger ins Spiel und zu Ehren.

Durch die Möglichkeit, den Spigot-Bolzen quer einzusetzen, bekomme ich die Möglichkeit, einen Aufsteckblitz quasi parallel zur Schirmachse zu montieren und kann so meinen Lichtkegel genauer in die Mitte des Schirmes lenken. Zusammengebaut sieht das in diesem Fall dann folgendermaßen aus:

Alternative Möglichkeit zur Montage beim Neiger von Phottix. Die zweite Bohrung quer zur Längsachse macht's möglich und bringt den Blitz näher an die Mittelachse.

Alternative Möglichkeit zur Montage beim Neiger von Phottix. Die zweite Bohrung quer zur Längsachse macht’s möglich und bringt den Blitz näher an die Mittelachse.

Zur Überprüfung musste die besagte Wand dann nochmal herhalten und siehe da, der Lichtwurf ist in dieser Konfiguration fast perfekt. Jedenfalls kann man so recht genau vorhersehen, wo das Zentrum der aufgehellten Fläche liegen wird, nämlich wie erwartet, in der Verlängerung der Schirmachse.

Hier punktet also allein das Modell von Phottix, die beiden anderen Bauausführungen haben an meinen silbernen Schirmen nichts mehr verloren. Allerdings brauche ich sie auch nicht gleich wegzuwerfen, denn Durchlichtschirme verhalten sich in dieser Hinsicht wesentlich toleranter. Der beschriebene Effekt fällt hiermit absolut nicht auf.

Zur Veranschaulichung gibt es hier noch mal die Fotos der Wand. Die Schirmachse hatte ich zu diesem Test waagerecht ausgerichtet und den Mittelpunkt des Schirmes mit einem Kreuz aus Klebeband markiert. Hier sollte also die hellste Stelle sein.

Schaut selbst:

 

Calumet-Neiger, Schirmachse waagerecht von links, Blitz gezoomt auf 105 mm

Calumet-Neiger, Schirmachse waagerecht von links, Blitz gezoomt auf 105 mm

 

Calumet-Neiger, Schirmachse waagerecht von rechts, Blitz gezoomt auf 105 mm

Calumet-Neiger, Schirmachse waagerecht von rechts, Blitz gezoomt auf 105 mm

Ergebnis mit Calumet-Neiger, Schirmachse waagerecht von rechts, Blitz gezoomt auf 24 mm

Ergebnis mit Calumet-Neiger, Schirmachse waagerecht von rechts, Blitz gezoomt auf 24 mm

Calumet-Neiger, Schirmachse waagerecht. durch das Eigengewicht biegt sich die Schirmachse nach unten durch und verstärkt den Effekt zusätzlich.

Calumet-Neiger, Schirmachse waagerecht. durch das Eigengewicht biegt sich die Schirmachse nach unten durch und verstärkt den Effekt zusätzlich.

 

Ergebnis mit Phottix-Neiger, Zoom jeweils 24 mm. Schon besser

Ergebnis mit Phottix-Neiger, Zoom jeweils 24 mm. Schon besser 😉

 

Ergebnis mit Phottix-Neiger, Zoom 24 mm, von der anderen Seite.

Ergebnis mit Phottix-Neiger, Zoom 24 mm, von der anderen Seite.

Phottix-Neiger, Blitz zur besseren Zentrierung leicht eingezoomt. Das "Fadenkreuz" liegt fast genau im Zenrum der größten Helligkeit.

Phottix-Neiger, Blitz zur besseren Zentrierung leicht eingezoomt. Das “Fadenkreuz” liegt fast genau im Zenrum der größten Helligkeit. Na also, geht doch! 🙂

Phottix-Neiger, der Eigenschatten wirkt ziemlich mittig

Phottix-Neiger, der Eigenschatten des Stativs wirkt ziemlich mittig. Kann man da eigentlich für Outdoor-shootings im Winter einen Heizpilz draus machen?

Ein kleines Schmankerl gib es noch am Rande: Sollte einmal der Fall eintreten, dass selbst bei der hoch reflektierende Oberfläche des silbernen Schirmes ein Blitz nicht ausreicht, kann ich die Leistung einfach durch hinzufügen eines weiteren Blitzes verdoppeln. Alles was ich dazu brauche, ist eine Manfrotto Super-Clamp. Zusammen sieht das dann folgendermaßen aus:

 

 

Doppelter blitz am Reflexschirm

Auf die Dauer hilft nur Power. Sorgt aber auch für schnellere Ladezeiten, da jeder einzelne Blitz nur noch die halbe Leistung abgeben muss.

 


 

 

 

Autor: Rt

Wissen wird nicht weniger wenn man es teilt. Jeder kann fotografieren, aber manchmal fehlt uns der eine oder andere Kniff oder es interessiert uns generell, wie etwas gemacht wird. Und weil ich sowieso am liebsten übers fotografieren plaudere habe ich angefangen, in diesem Blog das festzuhalten, was mich zum jeweiligen Zeitpunkt am meisten beschäftigt. Ob es dabei um grundlegende oder weiterführende Techniken geht oder ob ich über eine spezielle Anwendung berichte, und egal ob Ihr Euch als Anfänger betrachtet oder über reichlich Erfahrung verfügt: Ihr seid herzlich eingeladen auf diesen Seiten zu stöbern und mit zu diskutieren.

Kommentare sind geschlossen.