Dieters Fotoblog

Alles rund um das Thema Fotografie

R.I.P. YASHICA

Von Zeit zu Zeit stößt man im Internet auf etwas, das man zwar interessant findet, aber mangels eigener Aktualität nicht weiter verfolgt und wieder vergisst. Bis man sich eines Tages dann doch wieder daran erinnert, so wie an die YASHICA digiFilm Y35.

Hallo zusammen, es freut mich Euch hier wieder zu treffen!

Über die Kickstarter Kampagne zur YASHICA digiFilm Y35 hatte ich ja hier im Blog schon berichtet. Nicht nur, dass die Kampagne einen hervorragenden Start hatte und das Finanzierungsziel in wenigen Stunden erreichte, binnen weniger Tage wurde es sogar um das zehnfache überschritten.
Insgesamt, so ist aktuell auf der Kickstarter-Projektseite zu lesen, haben 6.935 Unterstützer mit 10.035.296 HK$ dieses Projekt gefördert. Bei einem derzeitigen Kurs (Mitte November 2018) von 0,11 Euro je Hongkong-Dollar entspricht das der Summe von knapp über 1,14 Mio. Euro.

Der Vancouver Point&ShootClub, eine Gruppe junger Frauen und Männer sowie einiger freiberuflicher Fotografen, gehörte zu den Unterstützern der Kampagne und hat sein Exemplar der Kamera erhalten. Am 11.10.2018 hat man dort zwei Videos auf Youtube veröffentlicht, in denen es um die Kamera geht. Bereits im ersten, dem Unboxing-Teil, zeichnet sich eine gewisse Enttäuschung ab. Als YASHICA-Fans hatte man sich dort aufgrund des Markennamens deutlich mehr erwartet.

Gespannt habe ich deren Review angeschaut, denn Ende der 1970-er / Anfang der 1980-er habe ich ebenfalls mit zwei YASHICA Kleinbild-SLRs, einer FR I und einer FR, fotografiert. Parallel zu diesen beiden kamen weitere zwei Exemplaren der YASHICA MAT 124 G im Format 6×6 dazu. Die beiden MAT 124 G waren bis Ende der 1990-er bei mir im Einsatz. Mit allen vier Werkzeugen hat das Arbeiten immer großen Spaß gemacht und ich hatte nie Grund zur Beanstandung. Von daher ist der Markenname auch bei mir mit keinerlei unangenehmen Assoziationen verbunden.

Das unboxing-video

Doch zurück zum Vancouver Point&ShootClub und deren Review. Die Kritik beginnt bereits beim Auspacken. Das Set wirkt irgendwie lieblos zusammen geschustert und es fällt sofort auf, dass zwar ein Mini-USB-Kabel beiliegt, am Kameragehäuse aber eine Micro-USB Buchse verbaut wurde. Das passt schon mal nicht zusammen. Das Gehäuse fühlt sich nach billigem Plastik an und das Objektiv ….

Die angry review

Im zweiten Video wird die Sprache dann sehr deutlich. Angefangen vom Sucher, der aus schlichtem Plastik ohne optische Eigenschaften besteht, über den Schnellspannhebel, der, außer das klassische Ratsch-Geräusch zu erzeugen, keinerlei Funktion hat (“Fake-Winder“) und auch sehr schnell defekt war, bis hin zur Passgenauigkeit der „Filmpatronen“: nichts an der Kamera kann überzeugen.
Der Ärger ist so groß, dass die review manchmal schon sarkastisch wird. So ist zu hören, dass man, würde man die Kamera benutzen, dies hauptsächlich mit der SW-Film-Simulation tun würde, denn die ergibt die besten Farben. Selbstverständlich wird diese Aussage mit einem Beispielfoto untermauert.

Unterm Strich kommt man im Video zu der Erkenntnis, dass es sich um eine zu teure Spielzeugkamera handelt und es bei der Kampagne vermutlich nur ums schnelle Geld ging.

Als die Macher des Videos dann auch noch die Marketingsprüche von der Verpackung zitierten konnte auch ich ein leicht säuerliches Lächeln nicht mehr unterdrücken.

Interessant wird es dann im dritten Teil, dem disassembly.

Ein paar Tage später hatten sich die Jungs nämlich wieder etwas beruhigt und ihr Ärger war in Neugier umgeschlagen. Also wurde die YASHICA digiFilm Y35 kurzerhand vor laufender Videokamera zerlegt und dabei die eine oder andere erstaunliche Entdeckung zu Tage gefördert (Stichwort „Gewicht“), aber schaut Euch das selbst an 😉

In diesen Videos zeigt der Point&ShootClub sehr deutlich, wie es einem ergehen kann, wenn man zu sehr auf einen ehemals großen Markennamen vertraut. Ob sich die Macher der Kampagne damit selbst einen Dienst erwiesen haben sei dahin gestellt. Immerhin haben sie offensichtlich kein eigenes Geld investiert und sind somit auch keinerlei Risiko eingegangen.

Die mehr oder weniger geprellten Kunden werden es sich in Zukunft allerdings gut überlegen, bevor sie einen weiteren Kauf bei diesem Unternehmen riskieren – auch wenn bei diesem Einstandspreis nicht viel zu erwarten war.

Ob dem Namen YASHICA nach diesem Desaster aber jemals wieder Vertrauen entgegengebracht wird? Ich kann mir das nur noch sehr schwer vorstellen.

Also: Augen auf beim Kamera-Kauf 😉

 

Hier die Videos, trotz der Hinweise auf die unzulängliche Technik doch mit hohem Unterhaltungswert 🙂

YASHICA digiFilm™ Camera Y35 unboxing video:



YASHICA digiFilm™ Camera Y35 angry review:



YASHICA digiFilm™ Camera Y35 disassembly:



Ein etwas älteres, aber witziges Video, in dem die Kampagne auf erfrischende Art kommentiert wird:
Decaffeinated Photography: Is the DIGIFILM Kickstarter a SUCCESS!? Sorta…| Decaf News

Das soll es für heute gewesen sein. Viel Spaß mit den Videos und bleibt mir gewogen 😉


Zurück zum Seitenanfang


 

Autor: admin

Technik-Freak. Erster eigener Fotoapparat mit 17, zwei Jahre später die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven. Mehrere Systemwechsel zum vermeintlich besseren Hersteller. Durch die Mitarbeit in einer Foto-AG Ende der Siebziger Jahre durch die dortigen Kontakte zu einem Journalisten die Möglichkeit zu Veröffentlichungen in Hobby- und Computerzeitschriften. Obwohl nie hauptberuflich als Fotograf oder Journalist tätig, sind die Begeisterung für das Schreiben und die Fotografie bis heute geblieben. Letzteres passiert seit 2004 ausschließlich und irreversibel digital.

Kommentare sind geschlossen.