Dieters Fotoblog

Alles rund um das Thema Fotografie

Portrait eines Portraitierenden Fotografen oder das „environmental Portrait“

„Wenn ich einen fotografierenden Fotografen fotografiere, bin ich dann ein fotografenfotografierender Fotografen-Fotograf?“

Vor einigen Tagen sprach mich ein Freund an und fragte, ob wir nicht ein paar Fotos von ihm für seinen Internetauftritt machen könnten. Da er selbst außer Musiker auch Fotograf ist sollten die Bilder nicht die typische Passbild-Anmutung haben sondern ihn bei der Ausübung dieser Tätigkeiten zeigen, quasi in „artgerechter“ Umgebung 😉

Eine der Ideen war, ein Foto zu machen welches ihn bei der Arbeit als Fotografen zeigt, ihm quasi „heimlich“ im Studio bei der Arbeit mit der Kamera zu beobachten. Dazu sollte der Blick der ihn beobachtenden Kamera aus dem Rücken des Models kommen, welches gerade von ihm aufgenommen wird.


Damit erweitern wir die klassische Portraitfotografie und betreten den Bereich des sogenannten “environmantal portraits“, also des Portraits unter Einbeziehung der der Umgebung im Gegensatz zum klassischen Portrait, das im wesentlichen ein Kopf- oder Brustbild der zu portraitierenden Person zeigt. Dazu kann sowohl das berufliche wie auch das private Umfeld herangezogen werden. Menschen, Maschinen, der Arbeitsplatz oder Werkzeuge, alles was einen Hinweis auf die Tätigkeit der Person gibt und uns hilft, etwas über die Person zu erzählen ist hier willkommen.

Also musste das Licht so eingerichtet werden, dass er bestmöglich ausgeleuchtet ist (schließlich ist er ja mein Model) während das Model quasi als Statist mit dem Rücken zu meiner beobachtenden Kamera steht und nur als mehr oder weniger dunkle Silhouette zu sehen ist. Die ganze Szene sollte vor einem rein weißen Hintergrund stattfinden.

Die Idee gefiel uns gut, was allerdings dazu noch fehlte, war der passende weiße Hintergrund. Dieser musste erst noch beschafft werden.

Von den zur Auswahl stehenden Möglichkeiten fiel die Entscheidung auf das transportable Walimex Teleskop-Hintergrundsystem, bestehend aus einer Teleskopstange, zwei Stativen und einer Transporttasche. Dazu wurden noch je ein passender Hintergrundstoff aus Baumwolle in schwarz und weis bestellt. Einen eigenen Erfahrungsbericht über beides wird es in den nächsten Wochen noch geben.

Ein gemeinsamer Termin und eine geeignete Location standen bereits fest, also konnte es sofort losgehen. Der Stoff (3m x 6m) wurde zusammengefaltet geliefert und natürlich waren nach dem Aufhängen noch die Falten zu sehen, die später im Foto stören würden. Da bügeln als Alternative ausschied (schließlich besitzt niemand von uns ein so großes Bügeleisen 😉 ), blieb nur die Möglichkeit, den Hintergrund zu überbrennen, was bedeutet, daß der Hintergrund je nach Situation und Umgebung eine halbe bis zwei Blenden mehr Licht bekommt als das Motiv und  so stark überbelichtet wird, daß eben gerade keine Struktur mehr zu erkennen ist.  Auf diese Art und Weise kann man gut Freisteller produzieren. In unserem Fallkamen kamen zu diesem Zweck zwei manuelle Aufsteckblitze von Yongnuo ohne weitere Lichtformer zum Einsatz.

Die Beleuchtung des Fotografen erfolgte durch einen dritten Aufsteckblitz mit einem weißen Durchlichtschirm rechts von der Kamera, gegenüber wurde zur Schattenaufhellung ein weißer Reflektor mit 110 cm Durchmesser aufgestellt. Da die Location über Außenjalousien verfügte haben wir das Tageslicht so weit gedimmt, dass es bei einer Belichtungszeit von 1/160 Sekunde nicht mehr vom Kamerasensor wahrgenommen wurde.

Noch eine Bemerkung zur Belichtungszeit:

Das Tageslicht wollten wir so weit wie möglich ausschalten um eine bessere Kontrolle zu haben. Die Kamera gestattet eine kürzeste Synchronzeit von 1/200 Sekunde, die verwendeten Blitztrigger RF-603 sind laut Datenblatt sogar bis 1/320 Sekunde einsetzbar. Beim Lichtest zeigte sich jedoch schon bei 1/200 der berühmte dunkle Streifen eines Verschlussvorhanges am Bildrand, bei 1/160 S war dieser verschwunden, und da das restliche Tageslicht vollständig unterdrückt wurde, ließen wir es ohne weitere Ursachenforschung dabei bleiben. Möglicherweise tritt dieser Effekt der verzögerten Synchronzeit mit schwächer werdenden Batterien auf, bei Gelegenheit werde ich darüber berichten.

Nach einigen Probeschüssen und Nachjustierungen bei der Beleuchtung hatten wir unseren Schuss recht schnell im Kasten, das Ergebnis ist unten zu sehen.

 

 

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Fotograf bei der Arbeit im Studio

Fotograf bei der Arbeit im Studio

Fotograf bei der Arbeit im Studio

Eine Softbox im Hintergrund sorgt für etwas mehr Studio-Atmosphäre im Bild

Benutzte Licht-Ausrüstung:

  • 2 Aufsteckblitze Yongnuo YN560-II (Hintergrund)
  • 1 Aufsteckblitz Yongnuo YN565EX (im Durchlichtschirm, manueller Modus)
  • Funkauslöser Yongnou RF-603
  • 5-in-1 Faltreflektor mit 110 cm Durchmesser, hier die weiße Seite

Erfahrungen bei diesem Shooting:

Fotohintergrund:

  • Die Falten im Stoff waren schon recht tief, hier muss evtl. doch noch mal über bügeln nachgedacht werden. Bleibt die Frage nach der Lagerung, damit das Bügeln nicht vor jedem shooting erfolgen muss.
  • Portabel ja, aber das Gewicht des Stoffes und der Stative addiert sich zu dem der restlichen Ausrüstung. Der Einsatz eines rollbaren Koffers scheint mit zwingend notwendig, wenn man nicht mit mehreren Leuten unterwegs ist von denen jeder etwas schleppen kann. So war der Transport kein Problem, ohne einen solchen Transportkoffer möchte ich das nicht häufiger machen.

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Falten im Hintergrundstoff

uups, da hat wohl ein Hintergrund-Blitz nicht gezündet 😉

Falten im Hintergrundstoff

Eine so große Fläche zu überbrennen fordert die volle Leistung von so einem kleinen Blitzdings

Blitz:

  • Ein Überbrennen des Hintergrundes von ca 3m x 3m mit zwei Aufsteckblitzen treibt die kleinen Geräte nahe an ihre Grenze, viel Luft nach oben für eine kleinere Blende gab es nicht mehr. Was bleibt ist noch die Möglichkeit, durch Erhöhung des ISO-Wertes den Stress für die kleinen Kerle zu verringern und gleichzeitig etwas mehr Spielraum bei der Blende zu bekommen.
  • Einer der 560-er schaltete immer früh ab trotz voller Akkus (Austausch erfolgte), die anderen hielten durch. Ein Eingreifen der Schutzschaltung wegen Überhitzung kann ausgeschlossen werden, erstens fühlten sich weder die Blitzegeräte noch die Akkus übermäßig warm an und zweitens lief der zweite Blitzer synchron zum ersten ohne Fehlfunktion durch. Da die Abschaltung mit anderen Akkus ebenfalls erfolgte, dieser Akkusatz jedoch in einem anderen Blitzdings vom gleichen Typ keine Probleme verursachte, vermute ich die Ursache in einer Streuung bei den Bauteilen der Ladeschaltung. Diese scheint den Blitz außer Betrieb zu setzen, wenn kein genügend hoher Ladestrom (mehr) fließt. Nach dem Abschalten konnte das Gerät sofort wieder eingeschaltet werden und lief dann für einige Zeit fehlerfrei.

Auslöser:

  • Mehrere Yongnuo YN-603 kamen zum Einsatz, einer verweigerte ab und zu die Auslösung des Blitzes. Die Statusanzeige der LEDs signalisierte, das alles ok sei. Ein Batterietausch brachte dann die gewünschte Zuverlässigkeit zurück.

Was ist an dem Tag sonst noch passiert?

Im Anschluss haben wir dann doch noch ein paar normale Portraits gemacht, mit und ohne Gitarre und dabei viel Spaß gehabt, aber seht selbst 😉

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Musiker im Studio

Musiker im Studio

Musiker im Studio

Portrait eines Musikers “bei der Arbeit”

Neutrales Portrait am Arbeitsplatz

Neutrales Portrait am Arbeitsplatz

Erste Erfahrungen mit den Manfrotto-Stativen gab es ja schon, gelegentlich werde ich einen Vergleich zwischen den 1051 BAC und den Walimex WT-806 Lampenstativ posten.

Auch die verwendeten Schirmneiger haben ihre Eigenart, über die noch zu berichten sein wird; freut Euch also auf weitere Posts.

Autor: Rt

Wissen wird nicht weniger wenn man es teilt. Jeder kann fotografieren, aber manchmal fehlt uns der eine oder andere Kniff oder es interessiert uns generell, wie etwas gemacht wird. Und weil ich sowieso am liebsten übers fotografieren plaudere habe ich angefangen, in diesem Blog das festzuhalten, was mich zum jeweiligen Zeitpunkt am meisten beschäftigt. Ob es dabei um grundlegende oder weiterführende Techniken geht oder ob ich über eine spezielle Anwendung berichte, und egal ob Ihr Euch als Anfänger betrachtet oder über reichlich Erfahrung verfügt: Ihr seid herzlich eingeladen auf diesen Seiten zu stöbern und mit zu diskutieren.

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