Dieters Fotoblog

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„Phaser auf Betäubung, Mr. Zulu!“ oder: Die Sache mit der Leitzahl – Wieviel Blitz bekommt man eigentlich beim Kauf und wie wir ihm helfen können über sich hinauszuwachsen.

Systemblitze und Aufsteckblitze sind für viele Fotografen ein unentbehrliches Hilfsmittel bei der Ausübung ihres Hobbys geworden. Die Einen nutzen sie im TTL-Betrieb als Ersatz für fehlendes Tageslicht, die Anderen gestalten mit teilweise mehreren Blitzen incl. Lichtformern ihre Aufnahmen. Nicht nur, wenn man sich einen TTL-Systemblitz zulegen möchte, auch wenn es um die Anschaffung eines sogenannten „Aufsteckblitzes für Strobisten“ geht, die relativ preiswert zu haben sind, möchte man sich doch vor dem Kauf darüber informieren, was man für sein Geld bekommt und was man von den Dingern erwarten kann. Selbst wenn man bereits stolzer Besitzer eines oder mehrerer solcher Geräte ist kann ein Blick über den Zaun nicht schaden,

und deshalb schaue ich gerne mal in die Blogs und Homepages anderer Fotografen um deren Erfahrungen kennenzulernen. So auch bei meinen inzwischen heißgeliebten Yongnou YN 560 Mk II und Mk III.

Diese Geräte werden ja allgemein mit einer Leitzahl von 58 beworben, dies allerdings bei einer Zoomstellung des Reflektors von 105mm. Freundlicherweise befindet sich im Handbuch eine Tabelle, in der die Leitzahlen für alle anderen vorgesehenen Reflektor-Einstellungen angegeben sind. Genau auf diese Tabelle bezieht sich ein Blogger bei seinen Tests, die er zur Leistungsüberprüfung durchgeführt hat. In seinem Fazit schreibt er allerdings, dass er keine Angaben zur Leistung des Blitzes bei anderen ISO-Werten als den angegeben ISO 100 machen könne, das habe er noch nicht getestet.

An dieser Stelle dürften sich wohl so einige Leser die Frage stellen, was sich denn überhaupt ändert, wenn wir mit einer anderen als der üblichen „ISO 100“ Einstellung fotografieren.

Hand auf Herz: Wer von Euch hat jetzt gedacht: „Was soll sich denn schon großartig ändern? Wenn ich von ISO 100 auf ISO 200 gehe, dann habe ich die doppelte Empfindlichkeit, also leuchtet das Mopped doppelt so hell bzw. doppelt so weit!“?

Wenn das Euer Gedanke war, dann liegt ihr zum Teil jedenfalls schon mal richtig. Die Kamera sieht jetzt das Blitzlicht tatsächlich doppelt so hell. Aber wie ist das mit der Entfernung? Gehen wir doch der Sache mal gemeinsam auf den Grund.
(Noch eine Anmerkung hierzu: in Grunde genommen „sieht“ die Kamera nichts anderes als sonst auch, wir haben ja nicht das Licht verändert. Durch die Erhöhung der Empfindlichkeit wird lediglich das vom Bildsensor aufgezeichnete Signal auf das Doppelte Verstärkt, deshalb erscheint das Bild dann eine Blendenstufe heller).

Die Leitzahl dient zur Angabe der Leistung eines Blitzgerätes

Die Leitzahl, wie kommt die eigentlich zustande? Mein erstes Blitzgerät, das ich Mitte der 1970-er Jahre kaufte, bot damals noch nicht den Komfort der „Computerblenden“ sondern blitzte immer mit voller Leistung. Die einzige Möglichkeit die abgegebene Lichtmenge passend zu dosieren waren die Blende der Kamera und der Abstand zum Motiv. Die Leitzahl, abgekürzt LZ, war die einzige Information, die ich von meinem Blitz hatte. In der Gebrauchsanleitung war eine kleine Tabelle abgedruckt, die über die Blitzreichweite bei verschiedenen Blenden Aufschluss gab. Diese Tabelle wiederum galt für die Verwendung eines ISO 50/18° DIN Films, der damals als normalempfindlich galt.
Allerdings lohnte es sich nicht, diese Tabelle auswendig zu lernen, denn, so wurde ich in der Bedienungsanleitung aufgeklärt, die LZ ist nichts anderes als das Produkt von Blende und Reichweite. Mit der Reichweite ist der Abstand zwischen Blitzleuchte und Motiv gemeint und sie ist in Metern in die Formel einzusetzen.

Also: LZ = Blende * Entfernung [m]

Keine Angst, vielmehr an Formeln will ich Euch nicht zumuten, aber dieses „Förmelchen“ sollte wirklich jeder kennen, der sich mit einem Blitzgerät beschäftigt, auch diejenigen unter uns, die ausschließlich auf TTL-Blitztechnik setzen. Wenn man nämlich zwei dieser Größen kennt (und das ist eigentlich immer der Fall) kann man leicht die Dritte ermitteln und so besser abschätzen, was mit dem Teil machbar ist und wo die Grenzen sind.
(Nebenbei erwähnt: Fallen Euch auch manchmal bei Sportübertragungen im Fernsehen die Stadionbesucher auf, die oben aus der zwölften Reihe mit einer Point-and-shot-Cam mit “Megazoom“ versuchen, das Fußballspiel im Mittelfeld zu fotografieren und dabei den Blitz eingeschaltet haben? Allerspätestens (!) nach zehn Meter ist von dem Blitzlicht absolut nichts mehr zu merken, während die Hinterköpfe der vor der Kamera stehenden in allerhellstem Licht erstrahlen 😉 )

Für alle Fälle habe ich die drei Möglichkeiten hier einmal etwas anders (und hoffentlich leicht einleuchtend) dargestellt:
Wie immer: drauf klicken vergrößert

Zusammenhang zwischen der Leitzahl eines Blitzgerätes, der Aufnahmeblende und der Entfernung.

Zusammenhang zwischen der Leitzahl eines Blitzgerätes, der Aufnahmeblende und der Entfernung.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung

Wie, auch noch Kopfrechnen? Wozu soll das gut sein, gerade im Zeitalter der vollautomatischen TTL-Blitze? Das möchte ich Euch an einem Beispiel zeigen:

Bei einem abendlichen Spaziergang durch die Stadt entdecken wir einen schön restaurierten Oldtimer, den wir gerne fotografieren wollen. Leider steht das gute Stück auf Privatgelände, das wir nicht betreten dürfen. Damit das Auto in seiner ganzen Pracht schön scharf aufs Bild kommt, beschließen wir, die Aufnahme mit Blende 8 zu machen. Unser Blitzgerät hat die LZ 42 (bezogen auf 50mm Brennweite und ISO 100).
Wie weit darf das Auto höchstens entfernt sein, um die maximale Reichweite unseres Blitzes nicht zu überschreiten?
Stellen wir die obige Formel kurz um, dann erhalten wir Entfernung = LZ : Blende, also Entfernung = 42 : 8 und kommen so auf 5,25 Meter.

Unser Blitz hat also bei Blende f/8 eine Reichweite von gut 5 Metern. Das ist nicht gerade üppig, könnte jedoch in dem fiktiven Beispiel durchaus genügen.

Angenommen, das Auto steht nun aber weiter weg, sagen wir die Entfernung beträgt 11 Meter, die für ein Zoom-Objektiv ja kein Problem darstellen . Auch hier hilft die obige Formel weiter:

LZ : Entfernung = Blende, hier 42 : 11 = 3,8. Wir können also mit Blende f/4 diese Entfernung überbrücken.
Wer allerdings mit einem Mega-Zoom à la „5.6 – 6.5 / 28-300mm“, also einer Anfangsblende von f/5.6 unterwegs ist und nicht weiter aufblenden kann, der würde jetzt schon ein um eine Blendenstufe unterbelichtetes Foto bekommen. Für diesen Kollegen wäre es jetzt an der Zeit, an der ISO-Einstellung zu schrauben. Aber wie hoch muss man die ISO-Schraube drehen und: gibt es eine Alternative?

Größere Reichweite durch höhere ISO-Einstellung

Machen wir uns zur besseren Übersicht eine kleine Tabelle für unseren Blitz mit LZ 42 bei ISO 100 und dem Reflektor in Stellung 50 mm:

Mögliche Kombinationen von Blende und Entfernung bei LZ 42

Mögliche Kombinationen von Blende und Entfernung bei LZ 42

Unter der gewünschten Blendenzahl können wir zu jeder Blende die maximale Entfernung ablesen, bei der unser Blitzgerät ein gerade richtig belichtetes Bild erzeugt, z. B. unter Blende 8 finden wir die eben errechneten 5,3 Meter.
So weit, so gut. Wie aber finden wir jetzt heraus, wie sich eine Änderung der ISO-Einstellung auf unsere Blitzreichweite auswirkt?
Dazu schauen wir uns einmal die Blendenreihe gesondert an:

1 – 1,4 – 2 -2.8 – 4 – 5.6 – 8 – 11 – 16 – 22 – 32

Zuerst fällt auf, dass die Werte nach rechts immer größer werden. Wenn man zwei benachbarte Wertepaare mit einander vergleicht und den Größeren durch den Kleineren teilt,
also 1,4 :1 = 1,4 oder 2,0 : 1,4 = 1,4 oder 2,8 : 2,0 = 1,4 usw., dann fällt auf, dass sich immer ein Quotient von etwa 1,4 ergibt. Die kleinen Ungenauigkeiten können wir hier getrost außer Acht lassen, denn

  1. sind die Blendenangaben auf unseren Objektiven sowieso schon gerundet und
  2. machen sich Unterschiede in der Belichtung in solch kleinem Ausmaß nicht bemerkbar.Blendenreihe und Faktor Wurzel(2)

Blendenreihe und Faktor Wurzel aus 2

Also Faktor 1,4, oder genauer: 1,414213562. Jetzt klingelt es bestimmt bei den meisten unter uns, diese Zahl kommt uns irgendwie aus unserer Schulzeit bekannt vor. Richtig, dabei handelt es sich um das Ergebnis, wenn man aus 2 die Wurzel zieht.
(Die Neugierigen unter Euch werden vielleicht mal probiert haben, um welchen Faktor sich die Entfernungsangaben unterscheiden. Na, zu welchem Schluss seid Ihr gekommen?)

Um die Sache jetzt so langsam rund werden zu lassen werfen wir noch schnell einen Blick auf unser Belichtungszeiten-Vorwählrad (heißt das Ding wirklich so? Kommt mir etwas sperrig vor, die Bezeichnung?! Egal, wir gucken jetzt dahin 😉 Wer so was nicht an seiner Kamera hat, der schaut auf das Display auf der rechten Kameraschulter, wessen Kamera auch darüber nicht verfügt, der wirft einen Blick in den Sucher).
Was uns hier sofort auffällt ist, dass sich die einstellbaren Belichtungszeiten jeweils halbieren oder verdoppeln (digital, Dieter, DIGITAL: die neumodischen Biester von heute zeigen auch Zwischenwerte an, aber Deine Leser werden Deine Aussage schon richtig interpretieren), je nachdem, in welche Richtung wir drehen. Also 1 – 2 – 4 – 8 – 15 – 30 – 60 – 125 – 250 – 500 – 1000 – 2000 – 4000, wobei nur der jeweils unter dem Bruchstrich stehende Teil angegeben wird. In Wirklichkeit bedeuten diese Zahlen also 1/1 – ½ – ¼ – 1/8 – 1/15 – 1/30 … 1/4000 Sekunde. (Auch hier gibt es der Einfachheit halber kleine Auf- oder Abrundungen, die aber in der Praxis nicht ins Gewicht fallen).

Wenn wir unsere Kamera also in der Betriebsart Blendenautomatik oder Manuell betreiben und das Einstellrad um genau eine Position von 1/125 auf 1/250 weiter drehen, dann halbieren wir die Menge an Licht, die auf den Sensor gelang. Klar: in der halben Zeit geht auch nur die Hälfte durch. Drehen wir aber von 1/125 auf 1/60, passiert das genaue Gegenteil: der Verschluss bleibt doppelt so lange offen und es geht doppelt so viel Licht hindurch.

Genau dasselbe passiert bei der Einstellung der Blende: von einem Schritt zum anderen z. B. von f/8 zu f/5.6 oder f/11, verdoppeln oder halbieren wir die Lichtmenge, welche die Blendenöffnung passieren kann.

Frage: Welche der drei untenstehenden Kombinationen ergibt das hellere Bild?

Blende 4 5.6 8
Belichtungszeit 125 60 30

Richtig: Keine! Denn alle drei Kombinationen führen zu genau gleicher Belichtung. Im Bild, also für das Endergebnis, macht es schon einen Unterschied, mit welcher Kombination das Foto gemacht wird (Tiefenschärfe, Bewegungsunschärfe, Hintergrundlicht beim Blitzeinsatz) aber die Belichtung bleibt konstant.

Doch jetzt Zurück zu unserm Oldtimer und der Blitzreichweite

Weiter oben hatten wir ja festgestellt, dass, wenn man die Empfindlichkeit des Sensors von ISO 100 auf ISO 200 verdoppelt, das Bild doppelt so hell wiedergegeben wird. (Bei den ISO-Angaben gilt ebenfalls: verdoppeln wir den Wert, verdoppeln wir die Empfindlichkeit. ISO 200 ist doppelt so empfindlich wie ISO 100, ISO 400 ist doppelt so empfindlich wie ISO 200).

Wir erreichen hier also den gleichen Effekt, als würden wir die Blende um eine Stufe weiter öffnen. Das können wir jetzt prima in der kleinen Tabelle von vorhin nachschauen:

Mögliche Kombinationen von Blende und Entfernung bei LZ 42

Mögliche Kombinationen von Blende und Entfernung bei LZ 42

Mögliche Kombinationen von Blende und Entfernung bei LZ 42

Wir erinnern uns: wegen der Tiefenschärfe wollten wir den Oldtimer mit Blende 8 fotografieren. Dadurch ergab sich eine maximale Blitzreichweite von 5,3 m, das Auto ist aber 11 m entfernt.
Wenn wir in der Entfernungsskala nach einem Wert nahe 11m suchen werden wir bei 10,5 fündig. Wir müssten also unsere Blende zwei Stufen öffnen (von 8 nach 5.6 verdoppelt einmal, von 5.6 bis 4 verdoppelt noch einmal, zusammen also eine Vervierfachung).
Alternativ können wir unsere ISO-Einstellung zweimal verdoppeln,
nämlich von ISO 100 über ISO 200 auf ISO 400. Damit erscheint unser Bild 4-mal so hell wie ursprünglich, wir haben die Blende und somit die Tiefenschärfe erhalten und das können das Foto wie gewünscht nach Hause bringen. Der vorhin erwähnte Kollege mit dem Mega-Zoom (5.6 – 6.5 / 28-300mm) bräuchte also lediglich eine ISO-Stufe zu erhöhen und wäre wieder mit einem korrekt belichteten Foto zurück im Spiel.

Im Grunde genommen hängt das Alles ganz einfach und logisch zusammen. Eine Veränderung um eine Stufe an der Blende oder an der Belichtungszeit bedeutet jeweils eine Verdoppelung oder Halbierung, je nach Drehrichtung. Ebenso bei der ISO-Einstellung. Den Einen Wert eine Stufe erhöhen und einen Anderen eins niedriger setzen und schon passt alles wieder.

Lediglich bei der Entfernung gilt es umzudenken.

Licht verliert seine Wirkung im Quadrat zur Entfernung. So definiert es das Abstandsgesetz oder Entfernungsgesetz, oder auch das quadratische Entfernungsgesetz genannt. Nachzulesen bei Wikipedia. Oder etwas anschaulicher erklärt in der fotocommunity.

Wir sollten uns also folgendes merken:

Wenn wir die Entfernung zwischen Lichtquelle und Motiv verdoppeln, dann kommt nur noch ein Viertel des Lichtes am Motiv an, wir müssen also zwei Blenden weiter öffnen um die gleiche Belichtung zu erhalten.
Bei einer Verkürzung des Abstandes hingegen arbeitet dieses Gesetz uns in die Arme: halbieren wir die Entfernung zwischen Leuchte und Motiv, erhalten wir zur Belohnung die vierfache Lichtmenge.

Hier können wir zwei Stufen abblenden und so mehr Tiefenschärfe gewinnen.

Und wenn ich, wie der Kollege mit dem Mega-Zoom, nur eine Blende mehr brauche? Doch Kopfrechnen oder was?

Nein, keine Angst, unsere alte Formelsammlung und den Taschenrechner können wir beruhigt zu Hause lassen, wenn wir mit unserer kompletten Fotoausrüstung unterwegs sind. Dieser Faktor √2 ist gewissermaßen in die Blendenreihe „eingebaut“ und wir können die Blendenwerte auch als Entfernungen interpretieren.
Wenn mein Blitz z. B. in 5,6 Meter Entfernung zum Motiv steht und bereits mit voller Leistung arbeitet, wie weit muss ich mich dem Motiv annähern, um genau die doppelte Lichtstärke zu erhalten? Die Antwort steckt in der Tabelle:

Um die Beleuchtungsstärke zu verdoppeln (das entspricht ja einer Blendenstufe) brauchen wir nicht die Entfernung zu halbieren sondern es reicht, wenn wir uns auf 4 Meter nähern, denn:
5,6m : √2   = 3,9597979746446661366447284277872m, aber diese kleine Ungenauigkeit verzeihen uns unser Blitz und die Kamera 😉

Und das praktische an der Sache ist: Diese Tabelle haben wir beim Fotografieren immer dabei, entweder auf dem Objektiv eingraviert oder sorgsam im Sucher der Kamera aufbewahrt.

Gravur am Blendenring

Gravur am Blendenring

Es gibt noch eine Lösung: mehrfach blitzen!

Aber wie oft? Auch hier genügt eine einfache Überlegung:
Gehen wir noch einmal zurück zu unserem Oldtimer. Unsere Aufnahme sollte mit Blende f/8 erfolgen, woraus sich bei LZ 42 eine maximale Entfernung von 5,25m ergibt. Was, wenn das Auto aber in 16 m Entfernung, also rund drei Mal so weit von uns parkt und wir das Foto ohne eine Erhöhung des ISO-Wertes machen wollen?
Ganz einfach: Da das Licht im Quadrat zur Entfernung abnimmt und die Entfernung drei Mal größer als unserer Reichweite ist, brauchen wir 3 * 3 = 9 Blitze auf dasselbe Foto (eben drei zum Quadrat).
Wie wir das bewerkstelligen ist dabei gleichgültig:

  •  Wer hat, der kann alle neun Blitze gleichzeitig zünden und ist fertig, das wäre sozusagen die triviale Lösung 😉
  •  Wenn wir drei Blitze dabei haben werden diese drei gleichzeitig gezündet und das drei Mal hintereinander (an der Kamera Mehrfachbelichtung = 3 einstellen oder den Verschluss offen halten, bis alle Blitze erfolgt sind)
  • Mit einem Blitz neun Mal feuern.

Es versteht sich dabei von selbst, dass bei den Mehrfachblitz-Techniken die Kamera auf einem Stativ oder sonst irgendwie stabil stehen muss um Doppelkonturen zu vermeiden.
Und noch etwas gilt es hierbei zu beachten: meine Blitze brauchen mit vollen Akkus nach einem Blitz mit 100% Leistung rund 1,5 – 2 Sekunden, um wieder aufladen. Im Falle von neun Blitzen muss also acht Mal „nachgeladen“ werden, währenddessen der Verschluss der Kamera offen bleiben muss. So ergäbe sich eine zusätzliche Belichtung von 12 – 16 Sekunden. Wenn das wegen des Lichtes im Hintergrund zu einem Problem werden könnte empfiehlt es sich, zwischen den einzelnen „Schüssen“ einfach das Objektiv (ohne dran zu stoßen und zu verwackeln) mit etwas dunklem (Mütze, Hut …) abzudecken, ähnlich wie man das macht, wenn man ein Feuerwerk fotografiert.

Und wegen der Gefahr des Verwackelns sollte man selbstverständlich den Blitz von der Kamera nehmen und aus der Hand abfeuern.
Positiver Nebeneffekt der Vorgehensweise, die Empfindlichkeit des Sensors durch die Wahl eines höheren ISO-Wertes zu steigern ist, dass

  • die Reichweite unseres Blitzlichtes zunimmt
  • der Sensor, (der ja jetzt insgesamt empfindlicher ist und nicht nur an den Stellen, an denen das Blitzlicht auftrifft 😉 ) auch mehr Hintergrundlicht aufzeichnet als bei niedriger ISO. Das kann sich z. B. dadurch bemerkbar machen, dass eine Grundstücksbeleuchtung, Fensterlicht aus Häusern, Reklameleuchten, Fahrzeugscheinwerfer usw., heller abgebildet werden und der gefürchteten „Blitzlook“ (helles Motiv vor in der Dunkelheit abgesoffenem Hintergrund = „Motiv im Tunnel“) vermieden wird. Auch beim Fotografieren in Innenräumen kommen die Raumbeleuchtung und alles von ihr beschienene bei Blitzfotos zum Teil deutlich besser zur Geltung. Insgesamt sorgt also eine erhöhte ISO-Einstellung beim Blitzen nicht nur für eine größere „Reichweite“ bei gegebener Blende sondern kann sich auch durchaus positiv auf den Hintergrund im Bild auswirken.
  • durch die höhere Empfindlichkeit auch nicht mehr so viel Blitzenergie gebraucht wird, der Kondensator im Gerät kann sich also schneller wieder aufladen und wir sind schneller bereit für die nächste Aufnahme.

 

Aufnahme bei ISO: 100, im Histogramm dominieren die dunklen Töne, der Hintergrund ist wegen der kurzen Belichtungszeit "abgesoffen". Entfernung Blitz/Auto: ca 5 Meter (Kamera ca. 1 m neben dem Blitz. Anzahl der Blitze: 3, gleichzeitg ausgelöst

Aufnahme bei ISO: 100, im Histogramm dominieren die dunklen Töne, der Hintergrund ist wegen der kurzen Belichtungszeit “abgesoffen”. Aufnahme mit errechneter Blende f/8
Entfernung Blitz/Auto: ca 5 Meter (Kamera ca. 1 m neben dem Blitz). Anzahl der Blitze: 3, gleichzeitg ausgelöst

Grau ist alle Theorie, deshalb gilt es, gelegentlich die Praxis zu Rate zu ziehen. Mit der rechnerisch richtigen Blende f/8 wir das Bilds zu dunkel.

Aufnahme bei ISO: 100, im Histogramm dominieren die dunklen Töne, der Hintergrund ist wegen der kurzen Belichtungszeit "abgesoffen". Wegen der fehlenden Raumreflexion (siehe Text) wurde die Blende entgegen der Rechnung um eine Stufe geöffnet. Als "Belohnung" gibt es erste Überbelichtungswarnungen, aber nicht, was per Bildverarbeitung nicht zu korrigieren ist. Entfernung Blitz/Auto: ca 5 Meter (Kamera ca. 1 m neben dem Blitz. Anzahl der Blitze: 3, gleichzeitg ausgelöst

Aufnahme bei ISO: 100, im Histogramm dominieren die dunklen Töne, der Hintergrund bleibt wegen der kurzen Belichtungszeit “abgesoffen”. Wegen der fehlenden Raumreflexion (siehe Text) wurde die Blende entgegen der Rechnung um eine Stufe geöffnet. Als “Belohnung” gibt es erste Überbelichtungswarnungen, aber nicht, was per Bildverarbeitung nicht zu korrigieren ist.
Entfernung Blitz/Auto: ca 5 Meter (Kamera ca. 1 m neben dem Blitz). Anzahl der Blitze: 3, gleichzeitg ausgelöst

Die Blende um eine Stufe weiter geöffnet sieht das schon besser aus. Allerdings scheint das Auto vor einem Tunnel zu stehen.
Das geht besser….

Aufnahme bei ISO: 100, im Histogramm dominieren die dunklen Töne, der Hintergrund ist wegen der kurzen Belichtungszeit "abgesoffen". Wegen der fehlenden Raumreflexion (siehe Text) wurde die Blende entgegen der Rechnung um eine Stufe geöffnet. Als "Belohnung" gibt es erste Überbelichtungswarnungen, aber nicht, was per Bildverarbeitung nicht zu korrigieren ist. Entfernung Blitz/Auto: ca 5 Meter (Kamera ca. 1 m neben dem Blitz. Anzahl der Blitze: 3, gleichzeitg ausgelöst

Aufnahme bei ISO: 100, im Histogramm dominieren die dunklen Töne, jetzt bekommt der Hintergrund wegen 26 Sekunden Belichtungszeit Zeichnung. Die Blende blieb auf f/5.6, es gibt deutliche Überbelichtungswarnungen, aber noch korrigierbar.
Die Entfernung Blitz/Auto beträgt jetzt  ca 15 Meter (Kamera ca. 1 m neben dem Blitz. Anzahl der Blitze: 9, augelöst wurden  mal 3 gleichzeitig während der Offenzeit.

… durch Verlägern der Belichtungszeit. Zusätzlich habe ich die Entfernung auf ca 15 m erhöht, was durch insgesammt neun Blitze
mit 100 % Leistung bei LZ 42 ausgeglichen werden musste.
Damit das Auto etwa gleich groß abgebildet wird wurde von 28 auf 52 mm eingezoomt (enspr. von 42 auf 78 mm bez. auf Vollformat).

    Aufnahme bei ISO: 100, im Histogramm dominieren die dunklen Töne, jetzt bekommt der Hintergrund wegen 26 Sekunden Belichtungszeit Zeichnung. Die Blende blieb auf f/5.6, es gibt deutliche Überbelichtungswarnungen, aber noch korrigierbar.     Die Entfernung Blitz/Auto beträgt jetzt  ca 15 Meter (Kamera ca. 1 m neben dem Blitz. Anzahl der Blitze: 9, augelöst wurden  mal 3 gleichzeitig.

Aufnahme bei ISO: 800, das Histogramm verschiebt sich weiter richtung Mitte.  0,5 Sekunden Belichtungszeit Zeichnung. Die Blende blieb auf f/5.6, es gibt deutliche Überbelichtungswarnungen, aber noch korrigierbar. Hintergrund trotz erhöhter ISO zu dunkel.
Die Entfernung Blitz/Auto beträgt jetzt 15 Meter (Kamera ca. 1 m neben dem Blitz. Anzahl der Blitze: 3 (gleichzeitig ausgelöst).

Belichtungszeit wieder runter, ISO rauf! Aber da war ich noch zu zaghaft 😉 ….

    Aufnahme bei ISO: 100, im Histogramm dominieren die dunklen Töne, jetzt bekommt der Hintergrund wegen 26 Sekunden Belichtungszeit Zeichnung. Die Blende blieb auf f/5.6, es gibt deutliche Überbelichtungswarnungen, aber noch korrigierbar.     Die Entfernung Blitz/Auto beträgt jetzt  ca 15 Meter (Kamera ca. 1 m neben dem Blitz. Anzahl der Blitze: 9, augelöst wurden  mal 3 gleichzeitig.

Aufnahme bei ISO: 800, das Histogramm ist deutlich ausgewogener, hier bekommt der Hintergrund wegen 5 Sekunden Belichtungszeit wieder Zeichnung. Die Blende blieb auf f/5.6, es gibt deutliche Überbelichtungswarnungen, aber noch korrigierbar.
Die Entfernung Blitz/Auto beträgt jetzt ca 15 Meter (Kamera ca. 1 m neben dem Blitz. Anzahl der Blitze: 3, gleichzeitig ausgelöst.

… also habe ich wieder die Zeit etwas erhöht.

    Aufnahme bei ISO: 100, im Histogramm dominieren die dunklen Töne, jetzt bekommt der Hintergrund wegen 26 Sekunden Belichtungszeit Zeichnung. Die Blende blieb auf f/5.6, es gibt deutliche Überbelichtungswarnungen, aber noch korrigierbar.     Die Entfernung Blitz/Auto beträgt jetzt  ca 15 Meter (Kamera ca. 1 m neben dem Blitz. Anzahl der Blitze: 9, augelöst wurden  mal 3 gleichzeitig.

Aufnahme bei ISO: 800, das Histogramm ist halbwegs ausgewogen, Hintergrund wegen 11 Sekunden Belichtungszeit fast schon zu hell. Die Blende blieb auf f/5.6, es gibt deutliche Überbelichtungswarnungen, aber noch korrigierbar.
Die Entfernung Blitz/Auto beträgt ca 15 Meter (Kamera ca. 1 m neben dem Blitz. Anzahl der Blitze: 3,  gleichzeitig ausgelöst.

 

..

Aufnahme bei ISO: 800, das Histogramm ist deutlich ausgewogener, hier bekommt der Hintergrund wegen 5 Sekunden Belichtungszeit wieder Zeichnung. Die Blende blieb auf f/5.6, es gibt deutliche Überbelichtungswarnungen, aber noch korrigierbar. Die Entfernung Blitz/Auto beträgt jetzt ca 15 Meter (Kamera ca. 1 m neben dem Blitz. Anzahl der Blitze: 3, gleichzeitig ausgelöst.

Aufnahme wie die vorherige, lediglich die Blitze wurde in ca. 15 m Entfernung vor dem Auto rechts der Kamera aufgestellt.    ISO: 800, das Histogramm ist wieder Richtung dunkler Töne verschoben. Belichtungszeit 9,3 Sekunden, Blende  f/5.6. Durch fehlendes Frontallicht und den sich daraus ergebende Reflektionen gibt es keine Überbelichtungswarnungen im Motiv.
Die Entfernung Blitz/Auto beträgt jetzt ca 15 Meter (Kamera alter Standort, Anzahl der Blitze: 3, gleichzeitig ausgelöst.

Schade, auf allen Bildern ist zwar nicht der im Text zitierte Oldtimer, dafür gibt es aber den unwiederlegbaren Beweis, dass
der Besitzer dieses Prachtstückes kein kostbares Trinkwasser zur Wagenwäsche verschwendet 😉

 

Und noch eine Kleinigkeit gilt es im Hinterkopf zu behalten:
Die ach so praktische Leitzahl, die uns so hilfreich zur Seite steht, wird nach Vorschrift in einem „genau“ festgelegten Messverfahren ermittelt, damit alle Blitze miteinander vergleichbar werden.

Allerdings ist diese Vorschrift nicht so eng gefasst wie z. B. eine DIN-Norm, sondern gleicht eher einer Richtlinie oder Empfehlung und besagt, dass die Messung in einem „durchschnittlich großen Raum mit hellen (nicht weißen) Wänden und weißer Decke“ und mit einem Motiv mit „durchschnittlichen Reflektionseigenschaften“ erfolgen soll.

Diese „genauen“ Bedingungen halten die Hersteller durchaus ein, wenn sie ihre Geräte in einem 4m x 5m oder 5m x 6m großen Raum mit hell- oder hellgrauen Wänden und Deckenhöhen von 2,8m oder 3,2m vermessen. (“Ein helles Grau, aber nicht so sehr grau, eher mit einem Stich ins bläuliche, oder vielleicht grünlich. Ja, grünlich geht, wenn es grau genug ist.” – Entschuldigung, ich schweife ab – ich musste gerade an einen Film denken, den ich neulich gesehen habe).
Ihr seht also, auf Nachkommastellen brauchen wir wirklich nicht zu achten.
So ganz nebenbei bemerkt: Wir können die Leitzahl unseres Blitzgerätes ganz einfach selbst ermitteln. Möglicherweise -wenn genug Interesse besteht- schreibe ich dazu einen eigenen Artikel.

Beim Blitzen außerhalb geschlossener Räume fehlt uns auch noch die zusätzliche Aufhellung durch die natürliche Reflektion an den weißen Wänden und der Decke. Das können wir leicht dadurch ausgleichen, dass wir die Blende um eine halbe Stufe weiter öffnen. Oder auch eine ganze Stufe, abhängig von den Reflektionseigenschaften unseres Motivs. Oder wir gucken auf unser Display, erst das Bild, dann das Histogramm. Dann korrigieren wir nach Gefühl und Wellenschlag, rauf oder runter.

Fotografie ist eben doch keine exakte Wissenschaft, ein messtechnisch richtig belichtetes Foto ergibt nicht in jedem Fall auch ein gutes Bild. Ein bischen Fummeln und probieren bleibt beim Blitzeinsatz fast immer, egal ob hochmodern per e- oder iTTL oder einfach mit manuellen Blitzgeräten. Aber wir sind ja digital unterwegs und können auf’s Display gucken –   irgendwie kriegen wir das schon hin 😉

 

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So, und jetzt freue ich mich auf Eure Kommentare und Anregungen.

 


 

 

Autor: Rt

Wissen wird nicht weniger wenn man es teilt. Jeder kann fotografieren, aber manchmal fehlt uns der eine oder andere Kniff oder es interessiert uns generell, wie etwas gemacht wird. Und weil ich sowieso am liebsten übers fotografieren plaudere habe ich angefangen, in diesem Blog das festzuhalten, was mich zum jeweiligen Zeitpunkt am meisten beschäftigt. Ob es dabei um grundlegende oder weiterführende Techniken geht oder ob ich über eine spezielle Anwendung berichte, und egal ob Ihr Euch als Anfänger betrachtet oder über reichlich Erfahrung verfügt: Ihr seid herzlich eingeladen auf diesen Seiten zu stöbern und mit zu diskutieren.

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