Dieters Fotoblog

Alles rund um das Thema Fotografie

Jetzt wird es kurios:

Mit Inkrafttreten der EU-Datenschutz-Grundverordnung am 25. Mai 2018 wird die bloße fotografische Aufnahme einer Person offiziell zur „personenbezogenen Datenerhebung“, selbst wenn diese auf dem Bild gar nicht zu erkennen ist!

Da wiehert der Amtsschimmel: In Zukunft darf ich also nur noch mit dem vorher gegebenen Einverständnis der betreffenden Person ein Foto machen, auf dem diese, wenn auch bloß rein zufällig und in einer Ecke, mit abgebildet wird!?!?. Oha!
Den ausführlicheren Artikel könnt Ihr auf freelens.com nachlesen. (Der Artikel wurde am 04. April veröffentlicht und nicht, wie von mir zuerst vermutet, am 01. April)

 

Hat das Folgen oder merkt das keiner?

Auch wenn für die klassischen Verwendungszwecke von Fotografien, also für journalistische, wissenschaftliche, künstlerische oder literarische Zwecke Ausnahmeregelungen geschaffen werden sollen, so bedeutet das doch, dass

  1. Diese Ausnahmeregeln bislang noch nicht existieren und somit diese Verordnung ab dem Stichtag erst einmal in vollem Umfang Gültigkeit erlangen wird und
  2. Bilder von z. B.
  • den eigenen Kindern am Strand oder
  • auf dem Spielplatz, sofern nicht nur diese im Bild erscheinen
  • der Sportmannschaft,
  • dem Vereinsausflug,
  • Veranstaltungen oder
  • Feiern im Festzelt, ja selbst
  • Stadtansichten von einem
  • Ausflug oder
  • Urlaub
  •  …

alle in Zukunft streng genommen verboten sein werden.

Nicht nur das Hochladen und veröffentlichen im Internet (soziale Medien, eigene HP), schon die Aufnahme selbst ist verboten, jedenfalls ohne explizit gegebenes Einverständnis! Schließlich werden da immer irgendwo (fremde) Menschen im Bild erscheinen, selbst wenn auch nur störend und im Hintergrund. Ich sehe mich schon in Köln über die Domplatte huschen und alle Anwesenden zur Unterschrift eines Model Release zu nötigen – Aua, auch‘n jur. Fauxpas 😉
Dabei werden diese Model-Releases auch wiederrufen werden können. Nun ja, Verträge muss man eben auch kündigen können, aber wie soll das bitte in der Praxis funktionieren, wenn mein Modell sein Release wiederruft, ich das Bild aber bei Facebook hochgeladen habe und es anschließend von anderen Usern 114 mal geteilt wurde? Ganz zu schweigen von professionell über Fotolia und Konsorten weltweit verkauften Bildern?

Sollten wir alle in Zukunft besser unsere Fotoapparate zu Hause lassen?

Schließlich leben wir hier in Deutschland, da wird schon der Eine oder Andere sein, der nach Art eines preußischen Amtsvorstehers auf sein Recht pocht (wozu hat er schließlich seine Rechtsschutzversicherung, und das Verpixeln der eigenen Hausfassade auf Google-Street View konnten ja – ob sinnvoll oder sinnlos – auch sehr viele durchsetzen).
Dass diese Befürchtung nicht so vollkommen aus der Luft gegriffen zu sein scheint, beweisen mir einige Erfahrungen, die ich im Laufe meines Lebens immer wieder gemacht habe („Hier wird nicht fotografiert!“). Zuletzt bei der Vorbereitung zu einem früheren Artikel hier im Blog: als ich vom Stativ aus einige Fotos von der Eisbahn machen wollte, haben das ein paar junge Männer zuerst erfolgreich verhindert indem sie sich gezielt vor meiner Kamera an das Geländer lehnten und einen Standortwechsel meinerseits mitvollzogen haben. Dabei wären sie nicht einmal ansatzweise selber mit auf das Bild gekommen. Auf ihr Verhalten angesprochen lautete ihr Argument: „Vielleicht ist ja hier jemand, der das nicht möchte“.
Vorauseilender Gehorsam, oder wie kann man solches Verhalten betiteln – aber deutscher geht es doch kaum noch, oder? Was mich dabei besonders amüsiert hat war die Tatsache, dass keiner dieser jungen Männer „original preußischer“ Herkunft war 😉 Integration? Funktioniert! 🙂

Was haltet Ihr von dieser Verordnung?

Ist das Ganze einfach nur eine unausgereifte und unpraktikable Vorlage oder handelt es sich schlichtweg um geistigen Dünnschiss?
Was meine Meinung betrifft, so kann nur vermuten, dass denjenigen, die solche Gesetzesentwürfe bzw. Verordnungen ausarbeiten und in Kraft setzen, geistig irgendwo ein paar Knöpfe von der Leiste abhandengekommen sind.
Zuletzt habe ich solchen Mist gehört, als in den 1990-er Jahren die Kennzeichenpflicht für Fahrräder gefordert wurde, und seitdem warte ich darauf, dass irgend so ein Heini sich nicht zu schade findet um nach einer Helm- oder Anschnallpflicht für Fußgänger zu rufen.

Und welche Steigerung kann ich nach dieser politisch-juristischen Glanzleistung noch erwarten?

Vielleicht kommt einer der Datenschützer ja noch darauf, dass auch das bloße Anschauen und Taxieren einer Person schon unter Datenerfassung fällt – biologisch-neurale Speicherung mit Löschschutz auf unbestimmte Zeit inbegriffen. Die logische Folge könnte dann sein, dass alsbald keiner mehr ohne Augenbinde das Haus verlassen darf.

Das wiederum empfände ich als eine interessante Spielart des täglichen Lebens, auf diese Art können sich zumindest in innerstädtischen Gebieten jede Menge neuer Kontakte ergeben und das soziale Leben bereichern. Und wo die Laternen stehen werden sich die Meisten sicher auch schnell merken können 😉

 

Schöne Lampe

Schöne Lampe!


Nachtrag 1:

Zum Thema dieses Artikels gibt es weitere Entwicklungen und eine Reaktion des Bundesverfassungsgerichts, die hoffen lässt.

Nachrag 2:
Die Sache schein ein gutes Ende zu nehmen: Der Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat gibt bekannt: Die DS-GVO steht dem Fotografien nicht entgegen.


 

Autor: admin

Technik-Freak. Erster eigener Fotoapparat mit 17, zwei Jahre später die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven. Mehrere Systemwechsel zum vermeintlich besseren Hersteller. Durch die Mitarbeit in einer Foto-AG Ende der Siebziger Jahre durch die dortigen Kontakte zu einem Journalisten die Möglichkeit zu Veröffentlichungen in Hobby- und Computerzeitschriften. Obwohl nie hauptberuflich als Fotograf oder Journalist tätig, sind die Begeisterung für das Schreiben und die Fotografie bis heute geblieben. Letzteres passiert seit 2004 ausschließlich und irreversibel digital.

2 Kommentare

  1. Da stimme ich dir zu, die haben meiner Meinung nach einen gewaltigen Schaden

  2. Pingback: Der BMI gibt Entwarnung zur DS-GVO › Dieters Fotoblog