Dieters Fotoblog

Alles rund um das Thema Fotografie

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Iced Tea und die Timelapse

Hitze, Hitze und noch mal Hitze. Bei diesen Backofen-Temperaturen sollte ein Ventilator eigentlich Erleichterung bringen, aber momentan fühlt es sich eher an als säße ich in einem Umluftherd. Hier gebe ich Euch einen kurzen Einblick, wie  ich fotografisch gesehen mit diesem Wetter umgehe.

Hallo zusammen, es freut mich Euch hier wieder zu treffen!

Ja, zugegeben, die Temperaturen dämpfen meinen Spaß am Hobby. Nicht, dass der Ideenfluss bzw. die Kreativität darunter leiden würde, im Gegenteil, hier sprudelt es nur so! Einige Projekte sind bereits mit dem Modell oder den Fotokollegen abgesprochen, andere kann, will oder muss ich alleine umsetzen.

Nein, das Einzige was mich am aktiv werden hindert ist die Vorstellung, wie ich nach einer halben Stunde da stehe. Wenn Hemd und Hose am ganzen Körper kleben, Schweißränder an den Klamotten sichtbar werden und die Suppe nur so von der Stirn tropft, dann mache ich lieber – na ja – eben nichts. Ich suche den Schatten auf und faulenze, oder sagen wir lieber „ich lenze faul“. Da klingt unterschwellig  noch nach einem Funken Restaktivität und damit viel sympathischer, immer getreu dem Motto: Auch zum Zögern muss man sich entschließen. 😉

Genau, Ihr habt richtig gelesen, ich stelle zeitweise meine Fotoproduktion ein, lege die Kameras weg, packe die Ausrüstung in den Schrank und fasse nichts mehr von dem Zeug an. Stattdessen nutze ich die Zeit, meine Bilderdatenbank in Lightroom zu durchforsten und aufzuräumen, gieße einen kalten Früchtetee ins Glas und schaue den Eiswürfeln beim schmelzen zu. So schnell wie das geht leiden die armen Dinger noch mehr als ich, und allein diese Erkenntnis macht die Hitze für mich wieder etwas erträglicher. 😉

Und weil dieser Schmelzvorgang so schön ist, will ich ihn im Bild festhalten, was aber in einem einzelnen Foto schlecht geht. Jetzt kurzerhand ein Video zu machen ist mir allerdings zu einfach – dazu bräuchte ich lediglich mein Handy. Stattdessen nehme ich endlich einmal die Gelegenheit wahr, die im Menü der Kamera angebotene Option „Zeitrafferaufnahme“ auszuprobieren. Draußen zieht ab und zu mal ein Wölkchen vorbei, das ergibt bei einem Zeitraffer immer Schwankungen in der Belichtung, die hinterher herausgerechnet werden müssen. Das geht mit LRTimelapse  von Gunther Wegner  zwar sehr gut, aber erstens kenne ich mich damit noch nicht so richtig gut aus und zweitens will ich, unabhängig davon, was das Tageslicht macht, von Bild zu Bild immer exakt die gleiche Belichtung. Meine Lösung lautet: Tageslicht ausblenden und mit Blitz arbeiten. Außerdem sollen die Bilder in voller Auflösung gespeichert werden, und zwar in RAW und jpg.

Zu meiner Überraschung fragt mich die Cam am Ende der Serie, ob ich ein Vorschau-Video haben möchte. Wenn es schon angeboten wird, bitte, warum nicht? Ohne Retusche oder vorherige Bearbeitung will ich erst einmal sehen, was dabei herausgekommen ist. Und das ist gar nicht mal so schlecht.

Hier ist also das Ergebnis, SOOC, unbearbeitet,  quick and dirty, sozusagen:

Dabei habe ich von mehreren Versuchen die drei am besten gelungenen per Software aneinander geklebt.

Den Aufbau

beschreibe hier kurz, ergänzend könnt Ihr ja das Making-of Foto begutachten:
(Wie immer bei Fotos: drauf klicken zeigt das Bild größer)

  • Auf der Schreibtischplatte liegt ein Stück schwarzer Karton, darauf zwei Bücher, die  als Abstandhalter dienen. Die Bücher tragen liegt ein Stück schwarzes Foamboard mit einem kreisrunden Loch passend zum Boden des Glases. Auf dem Foamboard liegt eine Platte aus Plexiglas.
Aufbau zum Timelapse "Iced Tea"

Aufbau zum Timelapse “Iced Tea”

  • Zwei Blitze:
    Der Erste liegt flach auf dem Tisch und leuchtet zwischen den Büchern hindurch unter das Glas. Den Kopf habe ich mit einem Stück Moosgummi umwickelt, damit sein Licht ausschließlich unter die Platte gelangt. Aus diesem Grund ist gegenüber auch ein Stück weißes Papier aufgestellt, als Reflektor und als Verschluss der „Bücherlücke“, sozusagen. So erhalte ich Durchlicht für den Tee.
    Der Zweite blitzt von unmittelbar neben der Kamera von oben in das Glas hinein auf die Eiswürfel. Um hier möglichst wenig Streulicht zu bekommen ist dieser Blitz mit einem Snoot mit Grid versehen.
  • Die Kamera hängt am Stativ und blickt senkrecht von oben in das Glas
  • Aufnahmefrequenz  4 Sekunden, automatischer Stopp nach  125 Fotos.
  • Belichtung: manuell, Blende 11 und 1/160 Sekunde.
  • Scharf gestellt habe ich manuell, die Vergrößerungslupe und Fokus-Peaking haben dabei gute Dienste geleistet
Und was hat das Ganze mir jetzt gebracht?
  1. Außer einer Menge Spaß die Erkenntnis, dass Eis nicht einfach rückstandslos schmilzt, es bleiben diese kleinen weißen Punkte auf der Oberfläche. Das sieht nach dem dritten Versuch unschön aus und der Früchtetee muss ausgetauscht werden.
  2. Der zeitliche Verlauf solch einer Aufnahmeserie ist schwierig vorher abzuschätzen. Die benötigte Zeit zum schmelzen hängt im Wesentlichen von der Masse der Eiswürfel (Größe, Menge) und der Temperatur der Flüssigkeit ab. Ok, da hätte man auch ohne einen solchen Versuch drauf kommen können 😉
  3. Im ersten und letzten Video sind jeweils zwei Eiswürfel im Glas, der Tee hatte Raumtemperatur. Gemessen habe ich nicht, aber über 25° C waren es auf jeden Fall.
    Bei der mittleren Serie waren drei Eiswürfel im Glas und der Tee war schon durch die Eiswürfel aus den vorhergehenden Versuch deutlich abgekühlt, so dass der Prozess wesentlich langsamer von statten ging. Bei Foto Nr. 59 kam zum ersten mal der obere Blitz nicht mehr mit, der immerhin auf ¼ Leistung eingestellt war (die Kombi Snoot/Grid schluckt viel Licht). In der Folge wurden sechs Fotos nicht richtig belichtet. Dann gibt es wieder 12 korrekt belichtete Bilder bis zum nächsten Aussetzer ab Bild Nr. 83. Ab hier ergibt sich dann ein regelmäßiges Muster: 12 helle, 6 dunkle (hoffentlich liest der Wirt meiner Stammkneipe das nicht, der wird nicht zögern das zu servieren). Das sind dann am Ende des Videos die Schwarzszenen. Im dritten Teil des Videos habe ich dann auf f/5,6 aufgeblendet um die Blitze zu entlasten, was auch ausgereicht hat. Alternativ hätte ich auch mit der ISO höher gehen können, da das Tageslicht mit 1/160 S immer noch recht gut unterdrückt wurde.
  4. Eiswürfel bewegen sich nicht von alleine im Glas, es sei denn, beim Abschmelzen verändert sich die Lage des Schwerpunktes. Dann kommt es gelegentlich mal zu einem Dreher. Das sieht unspektakulär aus, und um wenigstens ein Minimum an Action ins Glas zu bekommen habe ich vorsichtig hinein gepustet, so als würde ich den Tee abkühlen wollen. Das funktioniert mit gespitzten Lippen nur leidlich gut, entweder reagieren die Würfel gar nicht oder sie beschleunigen wie ein Space-Shuttle, was zu ruckelnden Bewegungen führt. Wesentlich ruhiger und besser zu kontrollieren wurde die Bewegung, als ich dabei einen Trinkhalm zu Hilfe nahm. Trotzdem wäre ein klein bisschen mehr Übung nicht schlecht für eine gleichmäßigere Bewegung gewesen.
  5. Den Import der Dateien von der Kamera zum Rechner erledige ich mit PHOTOfunSTUDIO 9.9 PE, dem Tool das zur Lumix gehört. Das ist deshalb bemerkenswert, weil PfS auf dem Rechner einen Verzeichnisbaum anlegt:
    im Verzeichnis mit dem aktuellen Tagesdatum (in der Software als Importverzeichnis so eingestellt) landen alle Dateien der Kamera, Fotos im jpg und RW2 – Format sowie die mp4-Videos, dazu diverse Dateien, welche die Kamera intern braucht um die Bilder zu verwalten (*.cont, *.pmpd, *.tmb)
    Der Clou ist jedoch, dass die Kamera alle Aufnahmen, die als Zeitraffer gemacht wurden, in einem Unterverzeichnis mit dem Namen „Zeitraffer001“ sortiert als jpg und RW2 ablegt. Damit hat die Suche nach der ersten und letzten Aufnahme einer Serie ein Ende und der Trick mit den zwei Fingern wird überflüssig. Macht man mehrere Zeitraffer, zählt die Kamera einfach die dreistellige Zahl hoch. Das lässt Pläne aufkeimen für weitere Spielereien mit Timelapse-Serien.
  6. Das Video ist alles andere als perfekt, das ist mir schon klar, aber es hat Spaß gemacht und ich habe mein Sommerloch erfolgreich gefüllt und weitere neue Ideen bekommen.

Wie ist das bei Euch, was macht Ihr in diesen unerträglich heißen Tagen?

Damit tschüß und bis bald! 😉


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Autor: admin

Technik-Freak. Erster eigener Fotoapparat mit 17, zwei Jahre später die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven. Mehrere Systemwechsel zum vermeintlich besseren Hersteller. Durch die Mitarbeit in einer Foto-AG Ende der Siebziger Jahre durch die dortigen Kontakte zu einem Journalisten die Möglichkeit zu Veröffentlichungen in Hobby- und Computerzeitschriften. Obwohl nie hauptberuflich als Fotograf oder Journalist tätig, sind die Begeisterung für das Schreiben und die Fotografie bis heute geblieben. Letzteres passiert seit 2004 ausschließlich und irreversibel digital.

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