Dieters Fotoblog

Alles rund um das Thema Fotografie

Fotografie und die Nebenkosten

| 1 Kommentar

oder :
”When it’s nobody’s business the way that you wanna live …”

(Van Morrison in “Days Like This”)

Man kennt das bereits zur Genüge: Wo immer sich ein Gegenstand des Alltags findet, der sich auch für fotografische Zwecke einsetzen lässt, findet sich auch jemand, der das Ding in neuer Verpackung als Die Gelegenheit / Das Gadget schlechthin usw. verkauft und -es handelt sich jetzt ja schließlich um Fotozubehör-  einen saftigen Preisaufschlag dafür verlangt.

Das mag in bestimmten Fällen sogar noch tolerierbar sein, z. B. wenn der Gegenstand nur von außerhalb der EU zu beschaffen ist und der Händler als Importeur sich um Zoll, Konformitätserklärung und den ganzen anderen Papierkram kümmern muss, von Garantie oder Gewährleistung einmal ganz abgesehen.

In manchen Fällen kann ich das allerdings nicht so ganz nachvollziehen, auch wenn das Design etwas geändert wurde und der Gegenstand gefälliger daherkommt. So oder so ähnlich müssen wohl auch andere Leute denken, denn wie ist es sonst zu erklären, dass es so viele Do-It-Yourself Seiten in Internet gibt.
Richtig interessant wird es allerding dann, wenn etwas Neuartiges auf dem Markt erscheint, also ein Gerät, dass es so vorher entweder noch nicht gab oder das zumindest mit neuen Funktionen brilliert.

Wie zum Beispiel ein Filmscanner.

Moment“ werdet Ihr sagen, „was schreibt der Kerl denn da? Filmscanner sind doch nun wahrhaftig nix neues mehr am Markt!

Stimmt, da habt Ihr Recht! Filmscanner gibt es schon lange, von preiswert bis teuer, von klein bis groß, von handlich bis Monstrum, von “so lala” bis “hervorragend” in der Qualität.
Sie arbeiten im gewerblichen Bereich als Trommelscanner oder, für gelegentliche gewerbliche Zwecke oder privat, als Flachbildscanner mit Durchlichteinheit (wie bei mir zu Hause) und tasten die Vorlage zeilenweise ab.
Etwas neuer sind die Fotoscanner, diese digitalisieren das Bild im Ganzen, sozusagen „auf einmal“ durch abfotografieren.
Die preiswertesten dieser Exemplare mit CCD-Chip sind schon für gut unter 50.- Euro zu bekommen, wobei ich mangels Erfahrung damit nichts über die Qualität dieser Geräte und der resultierenden Scans sagen kann.

Was ich hier zum Film Toaster gelesen habe schlägt aber dem Fass den Boden aus.

Den Ansatz finde ich sogar gut, habe ich doch schon vor etwa zehn Jahren meine DIY-Lösung dafür gebastelt und erfolgreich mit einer angeschlossenen Fuji S7000 so einige hundert Dias und SW-Negative digitalisiert.

Die Idee ist, einfach eine vorhandene Digicam zu nutzen und die Negative bzw. Dias zu fotografieren. Alles was man dazu braucht ist eine Halterung, die den Filmstreifen in einem bestimmten Abstand parallel zu der Sensorfläche und möglichst mittig vor dem Objektiv festhält. Plan liegen sollte der Film natürlich auch. Alles was jetzt noch fehlt ist eine feste Verbindung zwischen dieser Halterung und der Kamera. Ein Kasten oder eine Röhre bieten sich hier an, denn diese sind leicht lichtdicht zu machen und verhindern seitlich einfallendes Streulicht, welches die Qualität unseres Scans beeinflussen würde. Zum Schluss noch eine opake Glasplatte zur besseren Streuung der Beleuchtung und schon kann bei Tages- Blitz- oder Kunstlicht (WB einstellen) munter drauf los digitalisiert werden. So weit, so gut.

So etwas hat sich der Entwickler dieses Film Toaster wohl auch gedacht

und dabei offensichtlich das Geschäft seines Lebens gewittert. Was er anbietet sieht auf den ersten Moment auch recht gut aus. Rein vom Optischen her erinnert mich der Kasten an stabile und langlebige Laborgeräte. Nüchtern betrachtet ist es aber nichts weiter als ein Kasten aus stabilem Blech, einer Leuchtplatte, ein paar Schrauben und Magnetstreifen.

In diesem etwas langatmigen Video sind Aufbau und die Arbeitsweise mit dem Gerät gut zu erkennen (den Enthusiasmus des Testers kann ich allerdings nicht nachvollziehen, trotz der im Vergleich zu Flachbettscannern schnelleren Scans).

Dem Gerät fehlt einfach alles:

  • Kein automatischer Einzug,
  • keine Optik,
  • keine Stapelverarbeitung,
  • keine automatische Justierung,
  • kein Nichts,
  • nicht einmal eine Scanner-Elektronik!
Statt dessen soll und muss man die eigene Kamera bemühen.

Und auch – trotz des Namens- keine Heizung, mit der man wenigstens frisch entwickelte Negativ-Streifen trocknen oder den Ausschuss verschmoren könnte. Etwas lackiertes Blech, eine billige Leuchtplatte, einen Adapterring, fertig! Dabei bleibt die Frage ungeklärt, wie lange man dem Filtergewinde des Objektivs das gesamte Gewicht von Objektiv und Kamera zumuten kann. Auch das Einstellen der genauen Bildschärfe dürfte den Schneckengang des Objektivs durch erhöhte Reibung mehr als nötig belasten, egal ob das Gerät in senkrechter oder schräger Konfiguration (wie auf der Herstellerseite zu sehen ist) eingesetzt wird.

Ok, könnte man meinen, das ist nur etwas für Puristen. Ja, stimmt, aber meiner Meinung nach nur für welche mit einer gewissen Neigung zum Masochismus, anders kann ich mir jedenfalls den geforderten Preis (siehe Herstellerseite) –
Introductory Price -$ 1299 (without holders …)
- nicht erklären. (Stand: Dezember 2016)

Wer das nötige Zubehör, gemeint sind hier fünf Vorlagenhalter für 35mm Kleinbild- und 120-er Rollfilme,  ebenfalls haben möchte,  der muss sein Konto noch weiter strapazieren:
Only $ 1699 (complete with 5 holders.) FT45 Wedge $299 additional”. Laut Google kosten Ersatz-Filmhalter für meinen Canon Flachbettscanner ca. € 20.- pro Stück. Dabei lassen Größe, Form und Aufdruck der Halter vermuten, dass es sich lediglich um einen Hersteller handelt, der für viele andere Scanner ebenfalls diese Halter liefert. Hier verlangt der Hersteller des Film Toasters beim Weiterverkauf offensichtlich noch einmal einen ordentlichen Aufschlag.
Da ist auch der Hinweis „Designed by a photographer/archivist at a small research university …“    

-zumindest bei mir- wenig geeignet, Interesse geschweige denn Euphorie und Kauflust aufkommen zu lassen.

Mein Fazit:

Obwohl ich vermutlich doch ein bisschen was von einem Gear-Junkie habe und es für mich so einige „must-have“ und „nice-to-have“ Produkte gibt, ist das ist für mich definitiv das Gerät des Jahres 2016, was ich auf keinen Fall haben muss oder weiter empfehlen kann. Nicht einem Amateur, der gelegentlich einige dutzend bis einige hundert Vorlagen pro Jahr scannen will, und schon gar nicht einem Semi- oder Vollprofi, privaten Instituten oder öffentlichen Einrichtungen mit hohem Scanaufkommen und der Notwendigkeit, die Durchlaufzeiten für den Scanprozess kurz zu halten.

Für den geforderten Preis lassen sich wirklich bessere Lösungen finden. Und so gilt diesem Gerät mein herzliches Willkommen in der soeben neu eröffneten Kategorie „Hands off!


Zurück zum Seitenanfang


Ein Kommentar

  1. Pingback: Gobo projektor für die Fotografie nachträglich in Photoshop realisieren › Dieters Fotoblog

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.