Dieters Fotoblog

Alles rund um das Thema Fotografie

Mein nächster Versuch einer Annäherung an das Thema Food-Fotografie

Ja – zugegeben, das Thema ‘Food’ beschäftigt mich täglich. Weniger im Zusammenhang mit der Fotografie, vielmehr kreuzt dieses Thema meine Gedanken immer dann, wenn es um die grundlegende Aufrechterhaltung meiner Vitalfunktionen geht.

Nicht, dass ich diesbezüglich besonderen Einschränkungen unterliegen würde, aber ich liebe es einfach, mir im Vorfeld dessen, was so unausweichlich auf mich zukommen wird, ausschweifend Gedanken darüber zu machen, was ich denn als nächstes verstoffwechseln möchte. Zu diesem Zweck wird in aller Regel zunächst einmal ein Plan erstellt. 

Da die grundlegenden Möglichkeiten schier unendlich zu sein scheinen, jedoch die konkrete Vorstellung dessen, was ich mir zubereiten will, sich reziprok proportional zu den durchdachten Möglichkeiten zu verhalten scheint, habe ich mir in den letzten Jahren als vermeintliche Hilfe bei der Entscheidungsfindung eine kleine Bibliothek am Koch- und Backbüchern zugelegt. Reich bebildert sollen sie mir vor allem optische Anregung liefern, wenn es darum geht, herauszufinden, was ich als nächstes essen möchte (eine Kollegin spricht bei solcherart Literatur fernab jeglichen sprachlichen Feingefühls von „Fresspornos“. Tzzz, Kulturbanause!). Manchmal fallen solche Entscheidungen allerdings auch ganz spontan und von alleine durch Anreize von außen.

So auch am gestrigen Freitag, als meine Frau und ich beim Frühstück das Wetter – es ist jetzt gerade mal Mitte August – als eher herbstlich denn als sommerlich einstuften. Herbstzeit, das ist Erntezeit. Zeit der Pflaumen, Äpfel, Birnen, der Traubenlese und all der anderen leckeren Dinge, an deren Ernte und Einbringen ich als Junge, der auf dem Land aufgewachsen war, mithelfen durfte. Ganz besonders hatten es mir unserer Obstbäume angetan, von denen neben den Schattenmorellen noch der Pflaumenbaum sich als mein bester Freund etablierte. In meiner Erinnerung habe ich immer noch den herrlichen Duft von frischem Hefekuchen mit Pflaumen, der in dieser Zeit immer durch unser Haus strömte.

Spontan entschloss ich mich, diese Kindheitserinnerung für einen vergänglichen, aber intensiven Augenblick zu reanimieren und verkündete meiner Frau, dass ich einen Pflaumenkuchen backen will. Gesagt, getan! Alle notwendigen Zutaten wurden heute morgen noch schnell besorgt. Ein Hefeteig stellt keine besondere Herausforderung dar, schmeckt lecker und ist schnell gemacht. Pflaumen drauf und ab damit in den Ofen.

Weil ich Fotos liebe, und Fotos von essbarem (nicht zu verwechseln hiermit) noch viel mehr liebe, wollte ich gleich einmal meine Synapsen in Stimmung bringen und mich hungrig gucken. Aber so sehr ich auch suchte, in all meinen Koch- und Backbüchern gibt es scheinbar kein einzigen Bild von einem Pflaumenkuchen auf frischen Hefeboden (das ist wichtig an dieser Stelle, es musste Hefeboden sein). Erst jetzt meldete sich der Fotograf in mir (der versierte Leser kann hier deutlich erkennen, wo meine Prioritäten zu suchen sind). Also muss ich halt selber ran. Außerdem kann ich auf die Art drei Fliegen mit einer Klappe schlagen:

  1. bekomme ich einen leckeren Kuchen,
  2. kann ich meine Frau damit verwöhnen und
  3. habe ich wieder ein geduldiges Fotomotiv, um meine Kenntnisse und Fertigkeiten hinsichtlich der Food-Fotografie zu trainieren und zu verbessern.

Was kann man sich an einem freien Samstag schöneres wünschen? Leider war der Kuchen, wie oben bereits beschrieben, schon im Backofen. Zu spät also für Bilder von der Zubereitung. Aber dafür stammen die ersten Bilder vom Backvorgang im noch geschlossenen Ofen.

Wie immer: anklicken zeigt die Bilder in der Lightbox (größer und schöner 😉 )
Ab in den Ofen! Der Rand hat schon Farbe.

Ab in den Ofen! Der Rand hat schon Farbe.

Fotografisches

Da das eingebaute Ofenlicht viel zu dunkel ist, um bei dem von mir gewünschten Abbildungsmaßstab aus der Hand zu fotografieren und bei einer Langzeitbelichtung vom Stativ die schönen Schaumbläschen verwaschen worden wären, habe ich mich für Blitzlicht entschieden. Wie immer beim Fotografieren durch eine Glasscheibe galt es, die auftretenden Blitzreflexe auf der Scheibe der Ofentür zu vermeiden, denn die sehen nicht nur unschön aus, sie können das ganze Bild ruinieren. Ein Trick, mit dem man das zuverlässig verhindern kann, ist folgender:

Man fotografiert aus einem Winkel kleiner als 90 Grad zur Glasfläche und von der Seite des Blitzlichts. Die Reflexe treten zwar weiterhin auf, gelangen aber auf diese Art nicht ins Objektiv. Das funktioniert übrigens auch bei Portraits von Brillenträgern oder bei Aufnahmen von Fischen im Aquarium.

Eigentlich recht einfach, die Reflexionen treten zwar immer noch auf, werden von der Kamera aber nicht mehr gesehen.

Eigentlich recht einfach, die Reflexionen treten zwar immer noch auf, werden von der Kamera aber nicht mehr gesehen.

Für die Bilder vom fertigen Kuchen wollte ich kein direktes Blitzlicht einsetzen, die Schatten werden viel zu hart und die Kontraste zu hoch. Beim stöbern in meinen Büchern und im Netz bekomme ich den Eindruck, dass die schönsten Food Fotos mit weichem Gegenlicht in Verbindung mit einer leichten Überbelichtung und gezielt geringer Tiefenschärfe entstanden sind. Das galt es auszuprobieren. Allerdings verzichtete ich aus Zeitgründen auf den Aufbau einer Softbox, sondern stellte einen kleinen, 30 cm „großen“ Diffusor (den mit lichtdurchlässigem Stoff bespannten, mittleren Rahmen dieser five-in-one Reflektoren) zwischen Blitz und Kuchenteller. Ein zweiter Reflektor auf der gegenüber liegenden Seite diente mit seiner silbernen Fläche als Aufheller. Das war auch schon schon alles.

Mein Setup sah also folgendermaßen aus:

  • Ein Blitz, hier ein betagter Nikon SB-26 im manuellen Modus, Leistung bei 1/8, getriggert über einen Yongnuo RF-603 II.
  • Nikon D80, manueller Modus, 1/125 Sek bei f / 11
  • AF NIKKOR 70-210mm, f/4,0-5,6, hier bei Brennweite 210mm
  • ein Diffusor
  • ein Reflektor
Skizze: Setup für Pflaumenkuchenbilder

Ein einfaches Setup mit einem Diffusor und Reflektor musste genügen. Interessant wäre ein Vergleich zur Beleuchtung mit einer Softbox. Ob sich wohl große Unterschiede ergeben?

Für alle diejenigen, denen es ähnlich geht und auch mal einen Versuch nachvollziehen wollen, hier noch mein „Workflow“ für den Kuchen 😉

Grundrezept für einen Hefeteig:

  • 500 g Mehl
  • einen halben Würfel frische Hefe (ich bevorzuge frische Hefe,
    aber Trockenhefe geht auch)
  • ¼ Liter Milch, lauwarm
  • 100 g Butter (Zimmertemperatur)
  • 80 – 100 g Zucker
  • 1 bis 2 Eier, je nach Größe
  • 1 gestrichener Teelöffel Salz

Für den Belag

  • ca. 1,5 Kg Pflaumen oder Zwetschgen,
  • Zucker zum bestreuen (nach dem Backen)
  • 50 g Semmelmehl

Zubereitung:

Mehl in eine Schüssel geben, in der Mitte eine kleine Kuhle reindrücken, die zerbröselte Hefe mit einem Teelöffel Zucker hineingeben und mit etwas lauwarmer Milch übergießen (etwa 5-6 Esslöffel). Dann vorsichtig etwas Mehl vom Rand der Kuhle dazugeben und vorsichtig miteinander verrühren, so dass ein flüssiger Vorteig entsteht.

Zugedeckt warm stellen und 20 – 30 Minuten gehen lassen, dann nach und nach die restliche Milch, die warme (nicht flüssige!) Butter, Zucker und Eier hinzugeben. Mit dem Mixer und Knethaken kräftig durchkneten, bis der Teig schön geschmeidig und glatt wird und sich von alleine vom Rand der Rührschüssel löst.

Nochmal zudecken und gehen lassen, bis er etwa die doppelte Größe erreicht hat (etwa 20 Minuten). In der Zwischenzeit die Pflaumen gründlich waschen und entsteinen, dabei die Früchte in zwei Hälften schneiden.

Den aufgegangenen Teig aus der Schüssel nehmen und auf der Arbeitsfläche ausrollen. Eventuell die Rolle mit etwas Mehl versehen, damit der Teig nicht daran haften bleibt. Den ausgerollten Teig auf ein Backblech legen und an den Rändern gut hochziehen damit der Saft nicht vom Blech tropfen kann. Ein drittes Mal im Blech gehen lassen, so etwa 15 Minuten sollten reichen. Anschließend mit dem Semmelmehl bestreuen.

Dann die Pflaumenhälften gleichmäßig darauf verteilen. Wer will, kann den Rand noch mit einem Pinsel mit etwas Eigelb bestreichen, es geht auch Kondensmilch, in die Zucker rein gerührt wurde. Das färbt beim backen den Rand schön braun.

In den vorgeheizten Backofen schieben, auf mittlerer Schiene bei 200° bis 220°C etwa 20-30 Minuten backen, die Zeit hängt ab von der Feuchtigkeit der Früchte. Wenn der Rand nach 15 Minuten schon sehr braun ist, die Hitze zurücknehmen, richtig wird es, wenn der an den Schnittflächen der Pflaumen austretende Saft schöne Blasen wirft.

Schäumender Pflaumensaft

Die kleinen Bläschen auf den Pflaumen, die hier so schön zu sehen sind, das sind die Kalorien. Die werden hier vollständig verkocht, die werden kaputt gemacht. Der Kuchen ist also quasi kalorienfrei 😉

Wenn der Backvorgang beendet ist, den Kuchen mit dem Blech aus dem Ofen nehmen und zum abkühlen hinstellen. 

Fertiger Kuchen

… hmm, lecker. Langsam tropft der geschmolzene Zucker mit den Pflaumensaft auf den Hefeboden.

Je nach Säure der Pflaumen die Früchte vor dem Verzehr mit etwas Zucker bestreuen.

Plaumenkuchen, leicht gezuckert

Mit dem Zeug könnte ich mich einwickeln.

Also zumindest bei mir sind die von solcherart Fotos erhofften Effekte eingetreten. Der Appetit wird angeregt, der Speichelproduktion gesteigert und die Lust in ein Stück von diesem Kuchen hinein zu beißen steigert sich ins unermessliche.

Jetzt das Ganze nur noch mit einem Klecks frischer Schlagsahne garnieren und laaaaangsaaaam aber genussvoll sowohl den eigenen Stoffwechsel als auch das persönliche Wohlbefinden zu neuen Höchstleistungen führen.

Wohl bekomm’s! 😉

Samstag Nachmittag, die Arbeit ist getan, ab jetzt kann das Wochenende genossen werden. Was gibt es schöneres als ein Stück frischen Pflaumenkuchen mit einer Tasse Kaffee?

Samstag Nachmittag, die Arbeit ist getan, ab jetzt kann das Wochenende genossen werden. Was gibt es schöneres als ein Stück frischen Pflaumenkuchen mit einer Tasse Kaffee?

Vom kompletten Setup habe ich keine Bilder, aber hier kann man die Position des Reflektors erkennen. Der rechts neben der Tasse stehende Diffusor lässt den Schatten schön weich verlaufen. Der Trick besteht hier darin, den Diffusor so nahe wie möglich an die Tasse heran zu bringen.

DSC_9729_Making of

Die blauen Klammern, die dem Reflektor als Standfüße dienen, gab’s mal für wenige Euro im Baumarkt (Leimklemmen, verschiedene Größen).

 

 


 

Autor: Rt

Wissen wird nicht weniger wenn man es teilt. Jeder kann fotografieren, aber manchmal fehlt uns der eine oder andere Kniff oder es interessiert uns generell, wie etwas gemacht wird. Und weil ich sowieso am liebsten übers fotografieren plaudere habe ich angefangen, in diesem Blog das festzuhalten, was mich zum jeweiligen Zeitpunkt am meisten beschäftigt. Ob es dabei um grundlegende oder weiterführende Techniken geht oder ob ich über eine spezielle Anwendung berichte, und egal ob Ihr Euch als Anfänger betrachtet oder über reichlich Erfahrung verfügt: Ihr seid herzlich eingeladen auf diesen Seiten zu stöbern und mit zu diskutieren.

2 Kommentare

  1. Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen, denn der Kuchen sieht sehr lecker aus.

    • Danke, freut mich, wenn’s gefällt.
      Tipp unter Eingeweihten: die Saison hat bereits wieder begonnen 😉