Dieters Fotoblog

Alles rund um das Thema Fotografie

Kein Schatten, sehr wenig Licht, Blende maximal offen, hoher ISO-Wert und ohne Blitz aufgenommen. Nächtes Mal mache ich es besser.
Kein Schatten, sehr wenig Licht, Blende maximal offen, hoher ISO-Wert und ohne Blitz aufgenommen. Nächtes Mal mache ich es besser.

Eine Improvisierte Softbox für unterwegs

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Wer kennt das nicht: am Wochenende liegt nichts Besonderes an. Es gibt keine Arbeit, die noch zu erledigen wäre und auch gerade kein aktuelles Fotoprojekt, welches uns in Beschlag nimmt. Zeit also, in Ruhe und Beschaulichkeit unserem Hobby nachzugehen. Das lässt sich auch ganz wunderbar bei einem gemeinsamen Ausflug in die Natur oder einem Stadtbummel mit der Frau/Freundin verbinden.

Also schnappen wir uns die Kamera mit dem Universalzoom, eventuell noch das lichtstarke 50-er und, man kann ja nie wissen, noch einen Blitz dazu. Das Alles passt locker in die kleine Fototasche. Leichtes Gepäck ist angesagt, denn schließlich wollen wir ja den Tag unbeschwert genießen und nicht ein geplantes Shooting realisieren. Auf geht’s, machen wir uns auf die Socken!
Wenn Ihr das bis hierher kennt, dann kommt Euch wahrscheinlich auch der Rest bekannt vor. Irgendwann ist nämlich der Zeitpunkt gekommen, an dem wir irgendwo einkehren und eine kleine Pause einlegen, etwas trinken und eventuell eine Kleinigkeit essen. Das ist bei mir typischerweise die Gelegenheit, die bisher gemachten („mitgenommenen“) Schnappschüsse auf dem Display genauer zu betrachten. Wird meine Bestellung dann serviert, bin ich von dem appetitlichen Aussehen meistens so sehr begeistert, dass ich sofort ein Foto davon machen muss. Bis hierher dürfte das also nicht Neues für Euch sein.
Wie immer: draufklicken öffnet die Lightbox

Ein Stück Apfelstrudel mit Vanillesauce und Zimt. Aufgenommen bei wenig, aber sehr gleichmäßig verteiltem Licht.

Ein Stück Apfelstrudel mit Vanillesauce und Zimt. Aufgenommen bei wenig, aber sehr gleichmäßig verteiltem Licht.

Mehr Licht, bitte!

Leider bin ich in diesem Moment aber oft an dem Punkt angekommen, an dem ich mir doch etwas mehr Ausrüstung wünsche.
Wenn ich nämlich keinen Fensterplatz ergattern kann ist es oft schlicht nicht hell genug, um bei einigermaßen vernünftigen ISO-Werten noch aus der Hand ohne zu verwackeln fotografieren zu können.
Oder das Licht ist einfach zu ungünstig, etwa im Falle von einem halben Duzend Halogen-Deckenlampen, von denen jede fein säuberlich einen eigenen Schatten der Leckerei auf meinem Teller projiziert.
Was mir auch schon passiert ist: Das Licht war überall im gesamten Raum derart gleichmäßig verteilt, dass überhaupt keine sichtbaren Schatten entstanden sind. Das flache Licht lässt dann das leckere Stück Kuchen schnell etwas langweilig und nicht sonderlich sexy aussehen.

Rhabarberkuchen

Schon ganz ok, aber geht es noch etwas besser?

Aber wozu habe ich denn meinen Blitz dabei? Auf eine freundliche Anfrage beim Personal, ob ein paar Bilder mit Blitz erlaubt sind, habe ich noch nie eine negative Reaktion erfahren. Lediglich zwei Mal wurde die Bitte geäußert, es nicht zu übertreiben und Rücksicht auf die anderen Gäste zu nehmen. Aber das versteht sich ja wohl von selbst!
Wer jetzt aber einfach so mit dem Blitz auf den Teller zielt und drauf losknipst wird hart bestraft: harter Blitz produziert harte Schatten. Die können toll aussehen, aber an dieser Stelle finde ich sie ganz und gar fehl am Platz.

Harte Schatten im Bild durch den direkten Einsatz eines Blitzgerätes

Harte Schatten im Bild durch den direkten Einsatz eines entfesselten Blitzgerätes. Das kann man besser machen.

Die improvisierte Softbox, oder mein weiches Licht to go

Bouncen kommt bei solchen Gelegenheiten wegen der anderen Gäste oder der Räumlichkeit (Größe, Farbe/Anstrich) meist nicht in Frage. Am liebsten würde ich hier eine kleine Softbox zum Einsatz bringen, aber die habe ich erstens nicht dabei und zweitens wäre das auch aus verständlichen Gründen nicht ohne vorherige Absprache machbar. Es muss also improvisiert werden.
Genau zu diesem Zweck habe ich immer einen dieser kleinen 5-in-1Faltreflektoren dabei. Bei einem Arbeitsdurchmesser von 30 cm ist der zusammengefaltet gerade mal noch 13 cm groß und passt damit in so ziemlich jede Tasche.
Der innere Spannrahmen dieses Reflektors ist mit einem Diffusor versehen, den ich hier zum hindurchblitzen einsetze. Die Ergebnisse sind allemal deutlich besser als mit „nacktem“ Blitz.

Das Stück Kuchen ohne harte Schatten

Das Stück Kuchen ohne harte Schatten. Schon etwas besser, aber da geht noch was.

Trockenübung für zu Hause

Um das Ganze besser verdeutlichen zu können habe ich einmal mehr meinen bewährten Mitarbeiter zum Lampenputzen abkommandiert und ihn dann heimlich dabei fotografiert.
Die folgenden Fotos sind JPG-Dateien, so wie sie aus der Kamera kommen. Außer der Skalierung auf eine für den Blog geeigneten Größe, einer leichten Rauschreduzierung und Nachschärfung sind sie also vollkommen unbearbeitet. Fotografiert habe ich mit Blendenvorwahl und Zeitautomatik.

Aufnahme mit Gegenlicht als Hauptlichtquelle.

Aufnahme mit Gegenlicht als Hauptlichtquelle.

Aufhellung mittels LED-Taschenlampe von vorne. Die Lichtcharakteristik ist in etwa die gleiche wie bei einem Blitzgerät. Harte Schatten sind unübersehbar.

Brutale Aufhellung mittels LED-Taschenlampe von vorne. Hartes Licht, harte Schatten.

Der Figur gegenüber, also dort, wo sich gerade noch die LED-Lampe befand, wurde ein kleiner Reflektor mit silberner Beschichtung aufgestellt. Die Lampe strahlte dabei weg von der Figur in den Reflektor, dieser beleuchtet dann die Figur.

Etwas besser: Aufhellung mit kleinem Reflektor.

Die Lampe strahlt durch des Diffusor hindurch, ähnlich wie bei einer Softbox.

Die Lampe strahlt durch den Diffusor wie bei einer Softbox.

Das erste Foto wurde gegen das vom Fenster einfallende Licht fotografiert, die Vorderseite der Figur ist nur schwach beleuchtet. Das kann man noch etwas besser machen.

Im zweiten Bild wurde die Figur mit einer kleinen LED-Taschenlampe von vorne aufgehellt. Die Lichtcharakteristik ist in etwa die Gleiche wie bei einem Blitzgerät, die harten Schatten (neben der leichten Überstrahlung) sind unübersehbar. Unschön!

Für das dritte Foto wurde der Figur gegenüber, also dort, wo sich gerade noch die LED-Lampe befand, der Reflektor mit der silbernen Schicht aufgestellt. Die Lampe strahlte dabei weg von der Figur in den Reflektor, dieser beleuchtet dann die Figur.
Das Ergebnis ist schon deutlich besser. Was sofort auffällt ist die drastische Abnahme der Glanzstellen auf der Figur, die Farben kommen kräftiger zur Geltung und auch beim Nasenschatten fällt der Übergang zum beleuchteten Gesicht deutlich sanfter aus. Hier punktet der Reflektor also schon mal gegenüber der nackten Lichtquelle, dabei ist das Licht immer noch sehr gerichtet.

Im vierten Foto schließlich wurde der reflektierende Bezug entfernt und die Lampe so gehalten, dass sie durch den Diffusor hindurch leuchtet, ähnlich wie bei einer Softbox oder einem Durchlichtschirm. Et voilà: das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wir haben eine schöne Aufhellung der Figur von vorne (vergleiche Ausgangsbild) und sanft auslaufende Schatten (siehe unter der Nase) – so wie der Fotograf es liebt ;)

Hier noch ein Foto zur Verdeutlichung des Aufbaus

"Making of" zur Veranschaulichung. Keine große Sache, im wahrsten Sinne des Wortes ;) Rechts im Bild der 30cm Diffusor. Sehr gut zu erkennen ist der relativ stark gebündelte Lichtstrahl der LED-Lampe.

“Making of” zur Veranschaulichung. Keine große Sache, im wahrsten Sinne des Wortes ;) Rechts im Bild der 30cm Diffusor. Sehr gut zu erkennen ist der relativ stark gebündelte Lichtstrahl der LED-Lampe.

Ihr guckt hier über die fotografierende Kamera auf die kleine Figur. Rechts ist der 30 cm Diffusor zu sehen und die Stelle, an der das fokussierte Licht der LED-Lampe auftrifft. So ein Setup kann man praktisch jederzeit und überall mal eben schnell “aufbauen”, einfach den kleinen Reflektor entfalten, die Hülle abnehmen, den Rahmen zwischen den entfesselten Blitz und das Motiv halten, fertig ist die improvisierte Softbox. Schnell noch zwei oder drei Bilder machen und wieder einpacken. Keine große Sache, das geht in weniger als fünf Minuten.

Und so sieht dann aus, wenn man beim nächsten Snack „das kleine Fotobesteck“ dabei hat und sich rechtzeitig an die gemachten Erfahrungen erinnert ;)

Ein leckerer Burger schnell fotografiert und schnell aufgegessen.

Ein leckerer Burger als Beispiel dafür, wie man es besser machen kann. Im Idealfall wird das Blitzlicht gar nicht als solches sichtbar. Unterwegs schnell fotografiert und schnell aufgegessen.

Ab sofort werde ich verstärkt nach Fotografen Ausschau halten, die in irgendeinem Cafe oder Restaurant genau wie ich in einer Ecke sitzen und mit einem kleinen Reflektor bewaffnet auf der Suche nach weichem Licht sind.

Bin gespannt, wer wen zuerst entdeckt ;)

 


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2 Kommentare

  1. Für Systemblitze habe ich eine winzige Softbox zum Aufstecken zur Hand. Zusammengefaltet ist so ein Teil nicht größer, als eine CD-Hülle und passt in jede Fototasche. Trotz der geringen größe ist der Effekt vor allem im Nahbereich ganz ordentlich und es ergibt sich eine schöne, weiche Lichtgebung, Erinnert zwar ein wenig, an ein Grammophon, aber es tut, was es soll.

    • Da gibt es einiges auf dem Markt und auch ich habe schon überlegt, mir eine kleine SoBo anzuschaffen. Zuletzt habe ich über die “fstoppers flashdisc” nachgedacht. Wer weiss, vielleicht gibt es irgendwann mal einen Artikel dazu ;)

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