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Frau im Rückspiegel
Frau im Rückspiegel

Ein 50 mm Festbrennweitenobjektiv – wozu soll das denn gut sein?

| 2 Kommentare

Besitzer einer Spiegelreflexamera haben sich in aller Regel wegen der damit verbundenen Flexibiltät und Erweiterbarkeit für ein solches System entschieden. Folgerichtig kommt dann irgendwann der Zeitpunkt, an dem ein weiteres Objektiv auf dem Einkaufszettel steht. Der Markt bietet einige Auswahl, eine Entscheidung muss also her.
In diesem Artikel versuche ich eine Entscheidungshilfe zu geben.


Am Anfang        | Andere Meinungen    | Erkenntnis  | Neue Alte Liebe

sieben Gründe Vorteil Crop-Format |   Nachteile  |       Fazit


Am Anfang

steht für einen Neueinsteiger in das Hobby Fotografie oft die die Entscheidung, eine Spiegelfeflex- bzw. Systemkamera zu kaufen. Hierbei ist die Entscheidung für das Gehäuse incl. Kit-Objektiv sicher eine gute Wahl. Schließlich braucht man mindestens ein Objektiv, und solch ein Kit wird üblicherweise zu einem wesentlich günstigeren Preis angeboten.
Damit erhält man als Einsteiger eine funktionsfähige Kombination und kann sofort mit dem Fotografieren loslegen. Als gängiges Verkaufsargument wird als „Mehrwert“ eines solchen Kit-Objektivs gerne dessen Zoombereich herausgestellt, entweder als dreifach- oder z. B. fünffach-Zoom. Die Brennweite gängiger Kit-Objektive liegt etwa im Bereich von 18-55 mm, 35 bis 105 mm oder gar 18-105 mm. Die Lichtstärke dieser Objektive beträgt meist 1:3,5 – 5,6.
Damit kann man schon so einiges machen, zumal die Hersteller diese Objektive auch oft noch mit einer Makro-Einstellmöglichkeit versehen. Zur größeren Abbildung seines Motivs kann man also vergleichsweise nahe an dieses herangehen. Und so steht dem Spaß am Fotografieren erst einmal nichts im Wege.
Bis relativ schnell der Wunsch entsteht ein weiteres Objektiv zu besitzen und man sich der Frage stellen muss, welche Brennweite denn nun die sinnvollste Erweiterung wäre.

So ähnlich muss es wohl auch in meinem Bekanntenkreis gewesen sein, jedenfalls wurde ich seit Weihnachten mittlerweile gleich mehrfach diesbezüglich um Rat gefragt. Dabei ist die richtige Antwort nicht immer einfach zu finden, das hängt sehr stark von den Vorlieben des Fotografen oder der Fotografin bei der Motivwahl, also vom geplanten Einsatzzweck, ab.
Und in dem einen oder anderen Fall stellte sich heraus, dass der oder diejenige leider noch keine konkrete Vorstellung davon hatte, was er/sie/es eigentlich genau will. Ja, Ihr ahnt es schon: DIE Lösung schlechthin wäre ein 1:1,4 / 11-550mm Zoom mit einem Gewicht von unter 150 Gramm und für weniger als 200 Euro ;)

Andere Meinungen

Bei all dem Nachdenken über Brennweiten und Lichtstärken habe ich mich natürlich auch im Netz umgeschaut und bin auf die unterschiedlichsten Aussagen gestoßen. Unter anderem fand ich  mehrere Hinweise auf die 50mm Festbrennweite. Nun ja, ich habe so eine Linse, setzt sie auch bewusst ein, aber habe mir eigentlich nie größere Gedanken um sie gemacht.

Aber ich nutze ja Lightroom mit seiner fantastischen Datenbank. Also habe ich einmal „den Riemen auf die Orgel geschmissen“ und mir alle Fotos rausfiltern lassen, die mit der 50mm Festbrennweite aufgenommen wurden.

Erkenntnis

Das war dann der Moment, an dem sich meine Stirn zum ersten Mal runzelte. Angesichts der Tatsache, dass ich bei gefühlten 99% meiner Fotos ein Zoomobjektiv nutze, waren das wesentlich mehr Bilder als erwartet.
Das zweite erstaunte Stirnrunzeln stellte sich beim Betrachten der Bilder in der Vergrößerung ein. Wer meinen Blog hier schon etwas näher kennt wird sicherlich bemerkt haben, dass mein fotografisches Interesse am ehesten im Bereich Sachaufnahmen bzw. Table-Top und People-Fotografie liegt, dazu kommen vorsichtigen Versuche in der Food-Fotografie. Dabei setze ich die 50mm-Festbrennweite quer durch alle Sujets ein.

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Neue Alte Liebe

Und die Ergebnisse gefallen mir, selbst bei Fotos, deren Entstehung längere Zeit zurückliegt, heute immer noch so gut, dass ich mich beim Betrachten der Bilder wieder, so wie damals bei der Entscheidung ein solches Objektiv zu kaufen, ein kleines bisschen in dieses Objektiv bzw. den Look, der damit erreicht werden kann, verliebt habe. Dazu kommt, dass die Einsatzmöglichkeiten derart universell sind, dass meiner Meinung nach jeder Fotograf ein solches Objektiv besitzen sollte. Einsteigern in dieses Hobby kann ich nur raten, sich unbedingt ein solches Objektiv zuzulegen.
Dem Einen oder Anderen von Euch ist diese Aussage vielleicht etwas zu unspezifisch. Deshalb habe ich einmal versucht, die genauen Gründe im Einzelnen aufzuzählen und etwas ausführlicher darzulegen.

Sieben Gründe zum Kauf eines Objektivs mit 50 mm Festbrennweite :

  • Preis und Gewicht:

    Ein 50-mm Festbrennweiten-Objektiv ist preiswert und leicht. Egal mit welcher Kameramarke Ihr fotografiert: das 50mm Objektiv ist eine der preiswertesten Linsen, die Ihr kaufen könnt, auch oder gerade vom Originalhersteller Eures Kameragehäuses. Dazu kommt, dass die Dinger relativ klein und leicht sind und irgendwie immer in die Foto- oder auch in die Jackentasche passen. Beides prädestiniert sie sozusagen als „immer dabei“-Linse.

  • Lichtstärke:

    Diese preiswerten Normalobjektive, wie sie auch genannt werden, verfügen über eine herausragende Eigenschaft: sie sind sehr lichtstark. Standardmäßig bauen alle Hersteller diese Linse mit einer maximalen Blende von etwa 1:1,8.
    Verglichen mit dem maximalen Wert eines Kit-Objektivs sind das ungefähr zwei Blendenstufen mehr Licht, die auf den Sensor gelassen werden. Sehr hilfreich beim Fotografieren unter schwachen Lichtbedingungen wie z. B. in Innenräumen oder bei Nacht.

wie immer gilt: auf’s Bild klicken vergrößert

Die Tüte - Eingang zur U-Bahn Bielefeld HBF

Die “Tüte” – Eingang zur U-Bahn Bielefeld HBF, Aufnahme am späten Abend

Die neue Stadtbahn Bielefeld

Die neue Stadtbahn Bielefeld, Aufnahme nach 22:00 Uhr

  • Abbildungsleistung:

    Die 50mm Festbrennweite ist optisch eine relativ einfache Konstruktion, die von den Konstrukteuren leicht auf gute Abbildungsleistungen getrimmt werden kann. Aus diesem Grund verfügen diese Objektive über eine recht gute Bildschärfe, die, sollte man die maximale Anfangsöffnung nicht unbedingt brauchen, durch Abblenden um 2-4 Stufen sogar noch gesteigert werden kann.

Phalaenopsis

Blüte einer Orchidee.

Gitarrist

Gitarrenspieler. Aufnahme bei natürlichen Licht duch ein Dachfenster

  • Look:

    Der von mir oben schon angesprochene Look der Fotos kommt im Wesentlichen von der sehr geringen Tiefenschärfe bei weit geöffneter Blende. Diese wird erreicht durch das Zusammenspiel zwischen großer Blendenöffnung und dem großen Sensor einer Spiegelreflexkamera. Zusammen ergibt sich diese eigenartige und faszinierende Bildwirkung, die mit einem Kit-Objektiv kaum oder gar mit einer Kompaktkamera überhaupt nicht erreicht werden kann.

Portrait eines jungen Mannes in sw

Portrait vor einer Wand aus gebrochenem Stein

Portrait Junger Mann in Farbe bei Nacht

Stimmungsvolle Aufnahme am frühen Abend

Kuchen-mit-Mandarinencreme

Kuchen-mit-Mandarinencreme

rostiger Stahl mit Nieten

Rostiger Stahl mit Nieten

  • Bokeh:

    dieser viel zitierte und schwer zu beschreibende Begriff, mit dem die durchaus „subjektiv empfundene, ästhetische Qualität objektivabhängiger Unschärfe“ gekennzeichnet wird und über den sich in Fotografenkreisen – wegen der Subjektivität – wunderschön diskutieren und streiten lässt. Für mich gilt: diese 50-er liefern bei Offenblende wunderschön weichgezeichnete Unschärfe im Hintergrund, die bis zur völligen Auflösung gehen kann. Nichts soll den Betrachter von meinem Motiv ablenken. Einen gewissen Abstand zwischen Motiv und Hintergrund, dann zum Fotografieren nah ran und Blende auf. So geht’s

Sektflasche mit Bokeh

Sektflasche mit Bokeh

Perlen im Sektglas mit Bokeh

Perlen im Sektglas mit Bokeh

Potrait Farbe

Potrait in urbaner Umgebung

Verliebtes Paar mit Bokeh

Junges Paar mit Bokeh

Comicfigur

Comicfigur; minimale Schärfezone im Bild

Spaziergang durch die nächtliche Stadt

Spaziergang durch die nächtliche Stadt; Portrait im Dustin Diaz-style

  • Makrofähigkeit:

    Bei den 50 mm Festbrennweiten handelt es sich durch die Bank um sogenannte asymmetrische Konstruktionen, die sich dazu eigenen, umgekehrt eingesetzt zu werden: einfach das Objektiv vom Kamerakörper lösen, um 180° drehen, so dass die Frontlinse, die normalerweise zum Motiv zeigt, jetzt am Kameragehäuse anliegt. Eventuell muss man noch etwas zentrieren um die Mitte des Glases in die Mitte des Sensors zu bringen, und schon hat man ein preiswertes Makro-Objektiv. So habe ich vor über 40 Jahren auch angefangen.
    Natürlich funktioniert das nur im manuellen Modus. Wessen Objektiv keinen Stellring für die Blende hat der betätigt vorsichtig den Kupplungshebel am kameraseitigen Anschluss.
    Und letztendlich gibt es schon für um die zehn Euro sogenannte Umkehrringe, die in das Filtergewinde der Frontlinse eingeschraubt werden ein solcherart eingesetztes Objektiv sicher an das Bajonett des Gehäuses kuppeln.

  • Blendenflecke nach Wunsch

    Normalerweise sind die Blendenreflexe rund, die entstehen, wenn eine Lichtquelle direkt in das Objektiv scheint. Mit einer einfachen Lochmaske aus dünner Pappe kann man diesen fast jede beliebige Form geben, indem man die gewünschte Form aus der Pappe ausschneidet und die Pappe dann bei voll geöffneter Blende direkt vor die Frontlinse mit einem Stückchen Klebestreifen befestigt.
    Ob Ihr Sternchen produziert oder mit kleinen Herzchen die Scheinwerfer von Autos in verliebt aussehende Augen verwandelt bleibt Eurer Phantasie und eurem Geschmack überlassen ;)

Bokehtest (2)

Bokehtest; Aufnahme mit selbstgefertigter Blende vor dem Objektiv

Bokehtest

Bokehtest; dünne Pappscheibe mit einem herzförmigem Ausschnitt

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Vorteil Crop-Format

Auf einen Punkt möchte ich noch kurz eingehen, der sich beim Einsatz an einer Crop-Kamera bemerkbar macht. Meine D80 hat einen kleinen Sensor im Halbformat.
Anders als an einer Vollformat-Kamera tritt hier ein Effekt ein, der die Brennweite zu verlängern scheint, der sogenannte Crop-Faktor. Die Folge ist, dass an diesen Kameras die verwendete Brennweite um einen bestimmten Faktor länger wirkt. Bei Nikon beträgt dieser Faktor 1,5, für Canon etwa 1,6 und Besitzer einer Micro-Four-Thirds Kamera von Panasonic oder Olympus müssen mit dem Faktor 2 rechnen.

Das bedeutet für mich, dass mein Normalobjektiv mit 50mm Festbrennweite in etwa die Bildwirkung ergibt, die ein 75 mm Objektiv an einer Vollformat-Kamera hätte (50 x 1,5 = 75).

In der Kleinbild-Fotografie gilt eine Brennweite von etwa 80 mm – 85 mm als die ideale Portrait-Brennweite, da sie die Proportionen des menschlichen Körpers am wenigsten verzerrt wiedergibt. Außerdem wird durch diesen leichten Tele-Effekt ein kleinerer Bildwinkel erreicht, was sich wiederum positiv bei der Wiedergabe des Hintergrundes auswirkt: Störendes kann leichter ausgeblendet werden.
Das von verschiedenen Fotografen gerne angeführte Argument, dass man sich ohne Zoom intensiver mit der Bildgestaltung auseinandersetzen muss und man so zu besseren Bildern kommt mag eine weitere Rolle spielen. In diesem Fall zoomt man eben mit den Füssen ;)

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Gibt es auch Nachteile?

Hmm …. Nachteil würde ich jetzt nicht unbedingt dazu sagen. Lasst es mich so beschreiben: Das Objektiv bedarf beim Einsatz mit voll geöffneter Blende erhöhter Aufmerksamkeit ;) , besonders wenn Ihr bei Euren Aufnahmen wirklich nah rangeht an Euer Motiv.
Die Ausbeute an Fotos, an denen die Schärfe genau sitzt, kann schon mal etwas nach unten gehen. Grund dafür ist der wirklich kleine Tiefenschärfebereich bei Blende 1,8 und die Tatsache, dass sich sowohl der Fotograf als auch das Motiv (Model, Blume im Wind … ) immer etwas bewegen und sich so schnell aus der Schärfezone herausbewegen können.
Anfangs wollte ich das nicht so recht glauben und habe schon gedacht, mein 50-er sei bezüglich der Schärfe eine „Zicke“. Das lag aber dann doch wohl eher an mir selbst, und letztendlich haben mir etliche Fotografen, mit denen ich dieses Thema diskutiert habe, das auch so bestätigt.

Um möglichst viele Bilder mit genau passender Schärfe zu bekommen hat sich bei mir folgende Vorgehensweise bewährt:

  • Bei Statischen Motiven verwende ich gerne ein Stativ, das ist die sicherste Variante
  • Bei Fotos von Menschen :
    1. Kamera in den Serienbildmodus schalten
    2. Autofokus auf AF-A, dann höre ich ein Piepsen, wenn die Kamera scharf gestellt hat. Wenn sich das Motiv bewegt geht die Kamera automatisch in den kontinuierlichen Autofokus. Die Auslösung erfolgt nur dann, wenn die Kamera scharf stellen kann
    3. Das Bild „komponieren“, also den Bildausschnitt festlegen und dabei den Fokuspunkt anwählen, der am nächsten am der Kamera zugewandten Auge ist
    4. dann im Sucher diesen Fokuspunkt auf das Auge legen und versuchen, diesen immer an Ort und Stelle zu halten
    5. Auslöser halb durchdrücken, auf das Piepsen warten. Bleibt das aus, Auslöser loslassen und nochmal versuchen
    6. Bei Bestätigungspieps „Dauerfeuer“ – ruhig drei oder vier Fotos schnell hintereinander schießen, dann zurück zu Punkt 3

Auf diese Art erzeuge ich nicht allzu viele „künstlerisch ausdrucksstarke“ Bilder (Ausschuss ;) ), sondern komme mit einer relativ guten Ausbeute an brauchbaren Fotos nach Hause.

Fazit:

Klein, leicht, preiswert, schnell und universell einsetzbar! So oder so ähnlich lässt sich die 50 mm Festbrennweite aus meiner Sicht beschreiben. Ich möchte sie nicht mehr vermissen. Alles zusammen genommen kann ich hier ruhigen Gewissens die Aussage machen, dass, wenn ich nicht schon ein Normalobjektiv hätte, ich es in jeden Fall so schnell wie möglich anschaffen würde. Für mich ist die 50 mm Festbrennweite also ein “Must-have”-Objektiv, das ich auch allen anderen Fotografen wärmstens empfehlen kann.

Wie sieht das bei Euch aus? Besitzt Ihr ebenfalls so ein Schätzchen, ohne das Ihr nicht mehr auskommen könnt/wollt?


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2 Kommentare

  1. Hy, da kann ich dir nur zustimmen, als ich das erste mal das 50er drauf hatte und mir die Fotos nacher am Pc angeschaut habe, war ich sehr sehr positiv überrascht, welche scharfen Fotos doch noch aus meiner Kamera gekitzelt werden können. Habe mittlerweile drei “50er”, das Originale mit f1,8 von Pentax, dann ein analoges 50er von Ricoh Rikenon mit f1,7 und mein neuestes Schweinchen ist das Helios 44-4 f2, welches aber ein äußerst interessantes Swirl Bokeh erzeugt, weswegen ich es mir besorgt habe. Und selbst von diesem alten Schinken, der ja nun bestimmt 30 Jahre auf dem Glas hat, ist die Schärfeleistung wirklich der Hammer. Ich liebe diese 50er. Ehrlich gesagt finde ich aber so ein 35 auch sehr nett und recht häufig nutze ich auch ein 10-20mm für meine Oldtimer Fotos :-)

  2. Der Joghurtbecher ist sicherlich eines meiner Lieblingsobjektive.

    Ich bin zwar nicht der geborene Portraitfreund, aber dafür ist sie natürlich prädestiniert. Allerdings auch für Nahaufnahmen/Naturaufnahmen, bei denen Details ästhetisch freigestellt werden sollen (Beispielsweise auch in der Foodfotografie). 50mm ist somit der ideale Kompromiss und die große Blende das i-Tüpfelchen.

    Und für den Preis, den 50mm/1.8er Objektive kosten, sollte so eines zu jeder Ausrüstung gehören.

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