Dieters Fotoblog

Alles rund um das Thema Fotografie

Cloud No 9
Cloud No 9

Bis in den Himmel gelobt oder unbeachtet geblieben

| 2 Kommentare

Über das Liken und kommentieren auf Facebook ist sicher schon einiges geredet und auch viel geschrieben worden. In den letzten Wochen sind mir allerdings immer wieder Aussagen aufgefallen, in denen sich darüber beschwert wird, dass in den Gruppen viel zu wenig geliked wird.

Hallo zusammen, es freut mich Euch hier wieder zu treffen!
Heute geht es etwas weinger technisch zu, und möglicherweise liegt da auch noch ein kleiner Nachhall von Karneval in der Luft 😉

Bei den im Teaser erwähnten Beschwerden ist so ziemlich alles dabei gewesen, vom frustrierten Verlassen der Facebook-Gruppe nach wenigen Wochen der Mitgliedschaft wegen zu wenig erhaltener likes bis hin zu mehreren Hobbyfotografen, die den Post eines Profis (also von jemandem der mit der Fotografie seinen Lebensunterhalt verdient) kopiert und dann selbst repostet haben.
In dem Post beklagt sich der Pro, dass Facebook die Reichweite der Beiträge nach deren Wünschen und Vorstellungen regelt und er (sowie alle anderen Seitenbetreiber) somit höchstens noch 20-30% der eigenen Fans direkt erreichen könne. Dass FB für die Erhöhung seiner Reichweite Geld haben möchte gefällt ihm nicht so richtig. Er setzt lieber auf seine Fans und träumt dabei von einem Schneeball-System.
Zitat:

Wenn Ihr aber Dinge als “Gefällt mir” markiert oder teilt, sehen eure Freunde das eventuell auch wieder und wenn es Ihnen “gefällt”, dann sehen das wiederum noch mehr Freunde. Also eine Art “Schneeballsystem à la Facebook”, welches mir und meinen Fotos Reichweite und damit Aufmerksamkeit verschafft! Also wenn euch ein Bild oder Beitrag gefällt, klickt bitte auf “Gefällt mir”.

Wir sollen also liken, liken liken ….
Was hat es mit dem liken auf sich, warum machen wir das oder auch nicht, oder ist das jetzt alles mimimi oder was?

Wie auch immer, zusammen mit ein paar Freunden und ein paar Bierchen in der Mitte wurde von uns das Thema „Liken und kommentieren von Fotos“ des Öfteren diskutiert. Die dabei gewonnenen (und nicht ganz ernst gemeinten) Erkenntnisse wollte ich Euch nicht vorenthalten.
Viel Spaß beim Lesen 😉


 

Jahrelang habe ich das Verhalten der Mitglieder in den verschiedenen Fotogruppen auf Facebook studiert, mit Freunden darüber diskutiert und versucht, zu verstehen, nach welchen Kriterien Fotos geliked werden. Dabei heraus gekommen ist die schlichte Erkenntnis, dass es zumindest bei den Hobbyfotografen bzw. Fotoamateuren nichts, aber auch gar nichts mit dem Bild zu tun hat, ob es ein like bekommt oder nicht. Allein ausschlaggebend für die Vergabe eines Likes ist der Typus des Betrachters des Werkes. Im folgenden Text sind die bisher identifizierten Typen beschrieben (diese Aufzählung erhebt keinerlei Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit oder Vollständigkeit):

I. Der Gleichgültige (“ich mache das nie”) -Typ

Dieser Typus liked grundsätzlich nichts, da für ihn kein direkter Nutzen im Zusammenhang mit dieser Handlung zu erkennen ist. Es ist ihm egal, was der Schreiber oder Bildautor postet, meist liest er die entsprechenden Beiträge noch nicht einmal vollständig durch bzw. schaut er sich Fotos nicht einmal genauer an. Die Wahrnehmung der Posts erfolgt hier eher so nebenbei aus dem (geistigen) Augenwinkel, die Hauptaufmerksamkeit liegt irgendwo anders. Eine Meinung zu den Themen oder Bildern hat er schon gar nicht und seine Aufmerksamkeitsspanne unterschreitet die Zeit für t 0,5 so mancher Blitzanlage.

 

II. Der Oberflächliche

Er erfüllt im Wesentlichen die gleichen Kriterien wie Typ I, mitunter aber in etwas abgeschwächter Form und verbunden mit der Tendenz zur gelegentlichen – allerdings mehr oder weniger wahllosen- Vergabe eines Likes. Und falls er doch eine Meinung hat, ist es ihm zu mühsam oder zeitaufwendig, diese der Allgemeinheit mitzuteilen. Im Übrigen könnte auch die Angst sich zu blamieren oder mit dieser Meinung alleine dazustehen, ihn in seinem Mittelungsdrang zurückhalten. Wir kennen das alle aus dem Politik- oder Ethikunterricht in der Schule.

III. Der Sprachlose

Auch bei dem Sprachlosen handelt es sich um einen eher inaktiven Typ. Er ist auf der Suche nach etwas, lässt uns aber im Unklaren darüber, was das sein könnte. Vermutlich weiß er das selbst auch nicht so genau, geschweige denn warum und schon gar nicht wie oder womit. Das entbindet ihn von überflüssigen Worten und er postet sein Foto mit einem locker dahin geworfenen „Nabend!“ oder „Meinungen?“ in den diversen Gruppen. Die etwas geschwätzigeren unter den sprachlosen lassen sich schon mal zu einem „Was sagt Ihr?“ hinreißen, im Gegenzug dazu werden aber viele Fotos vollkommen ohne Äußerung gepostet. Bild eingestellt und fertig. Und wer schon zu seinen eigenen Bildern keine Gedanken äußern kann, woher sollte der eine Meinung zu den Bildern anderer nehmen? Diesem Typus würde nicht einmal das Verschwinden des Like-Symbols auffallen.

IV. Der Sandkasten-Typ:

Diese Akteure sind schon aktiver. Sie liken fleißig die Bilder der Kollegen, wollen aber im Gegenzug ebenfalls ihre Likes erhalten. Bei Nichtbefolgung dieser Regel binnen einer gegebenen Frist kann es schon mal zu aktivem Nachfragen kommen, ob das Bild denn nicht gefallen habe. Das ist ähnlich wie im Geschäftsleben, da gibt es schließlich auch eine Mahnung, wenn man mit der Überweisung über das Zahlungsziel hinaus wartet. Zwar gibt es bei den Likes keine Vollstreckungsordnung, Wiederholungstätern wird allerdings konsequent die Achtung und eigene Aufmerksamkeit entzogen. Das hat er jetzt davon, wenn er die Spielregeln nicht einhält (dabei sind die doch so einfach: Wenn ich Dein Förmchen nicht kriege, kriegst Du meines auch nicht!).

V. Der Bettler:

Bei diesem Typus ist häufig eine im Ansatz vorhandene Hyperaktivität zu beobachten. Mehrfach pro Woche postet er ein Foto, verbunden mit einer Aussage wie „Eines hab ich noch für euch, dieses Mal von der lieben xxx“. Statt xxx steht da ein Mädchen- bzw. Frauenname, wobei der Name so bedeutungslos ist wie das Bild selbst. Als Nachsatz (wenn es schon keine erklärenden Worte zum Bild gibt) kommt dann aber die Aufforderung „Ihr dürft gerne einen Daumen da lassen!” Das mit der Handlungsaufforderung hat er mal irgendwo auf einer Marketing-website gelesen und setzt das seither zu 100% um.

VI. Der Aufmerksamkeitssucher

Liked vollkommen unreflektiert jeden, aber auch wirklich JEDEN Scheiß, abonniert alles und folgt allem und jedem, stets in der Hoffnung, selbst irgendwann einmal von der großen Masse bemerkt zu werden. Nach seiner Logik fangen alle anderen dann ebenfalls an, alles zu liken, was er postet, und so wird er irgendwann doch noch einmal berühmt.
Zitat (geklaut von einer kostenlosen Social-Media-Plattform zum Teilen von Fotos und Videos):

„Nice Pic Pls follow me back I make a test, how long we need to be famous“

(Wäre es in diesem Zusammenhang eigentlich erlaubt bzw. angemessen, Social-Media mit SM abzukürzen?)

VII. Der Verschmähte:

Hat am Anfang alles geliked, wovon er sich etwas versprochen hat (und das war so einiges!). Leider ist die erwartete Gegenleistung ausgeblieben. Aus diesem Grund verweigert er jetzt seinen alten Freunden sein Like, auch wenn ihm deren Beiträge eigentlich gefallen. Stattdessen wendet er sich neuen FB-Freunden zu, in der Hoffnung, dass sein Plan endlich aufgeht. Dieser Typus rekrutiert sich häufig aus einer drei unmittelbar voran genannten Gruppen IV bis VI. Ausschlaggebend für den Wechsel des Typus sind im Wesentlichen die Merkmale Erwartungshorizont und die persönliche Höhe der Frustrationsschwelle.

VIII. Der Ehrliche

Er liest einen Beitrag bzw. betrachtet ein Foto und denkt darüber nach. Ihm kann man nicht nachsagen, dass er vorschnell mit seinen Äußerungen ist, wobei er sich mit seinen Kommentaren bei Nichtgefallen eher ganz zurück hält. Immerhin besteht ja die Möglichkeit, dass sein Geschmack sich von dem der anderen unterscheidet. Insofern ist er sogar sich selbst gegenüber ehrlich.
Sollte er ein Foto aber als herausragend empfinden und er seine Zustimmung ausdrücken wollen, dann vergibt er das ehrlichste Like, das auf Social Media-Plattformen zu bekommen ist und auf das der Empfänger mit Recht stolz sein kann. Das soll nicht bedeuten, dass er Beiträge, die er nicht geliked hat, gering schätzt, sondern er nutzt das like lediglich, um dem Autor zu DIESEM Beitrag seine besondere Zustimmung zu zeigen. Ehrlich!

 

Soweit diese erste Klassifizierung, und passend dazu erreicht mich kurz vor Redaktionsschluss noch die Meldung, dass amerikanische Forscher herausgefunden haben, dann aber wieder reingegangen sind.

Nein Stop, da war doch noch die Umfrage eines großes Forschungsinstitutes zum Thema Facebook: Die Frage lautete:

„Was ist Ihrer Meinung nach in den Fotogruppen der Grund für die mangelnde Diskussionsbereitschaft? Ist das
a) mangelnde Kenntnis oder
b) Gleichgültigkeit?“

Bei 99% der Befragten lautete die Antwort : „Keine Ahnung, ist mir aber auch egal!“

Damit tschüß und bis bald!


 

2 Kommentare

  1. Sehr Interessante Text 🙂
    Der Sandkasten Typ hätte ich aber anders genannt
    zb. Der Arschkricher : Davon gibt es viele nur durch Eigene Verhalten auf eigene “Werke” Aufmerksamkeit zu Erwecken ….
    Auch ich hätte bestimmt zu ein /paar Gruppen gehören können

    VG czoczo

    • Hallo czoczo,
      es freut mich, wenn Dir der Artikel gefällt, aber so ganz ernst gemeint war der Text ja nicht.
      Und außerdem: gehören wir nicht alle irgendwie in eine oder mehrere dieser Gruppen?

      LG Dieter

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.