Dieters Fotoblog

Alles rund um das Thema Fotografie

Adobe, wir haben ein Problem

Heute hat mich eine böse Überraschung kalt erwischt, als ich Fotos einer neuen Kamera-Objektivkombination in die Datenbank von Lightoom laden wollte. Das bringt mich zu einigen grundlegenden Überlegungen, was mein Nutzerverhalten angeht.

Schon seit längerem sehe ich mich aus diversen Gründen nach einer neuen Kamera um. Dabei ist mir das Micro-Four-Thirds-System angenehm aufgefallen. Nach der Anschaffung einer Kamera dieses Systems – ich hatte ja schon darüber berichtet – und einigen Monaten des Testens lassen die gemachten Erfahrungen mit der Lumix GF6 nebst denen meines befreundeten Fotokollegen, der kürzlich seinen vollständigen Wechsel ins mFT-Lager vollzogen hat, keinen Zweifel mehr offen.
Wunschmodelle meinerseits gibt es mehrere, in der Auswahl befindet sich unter anderen die Panasonic DMC-GX80 LUMIX G DSLM Wechselobjektivkamera, so der etwas sperrige, offizielle Name.

Ich bin zwar Technikfreak und studiere Datenblätter, aber eigentlich geht es mir darum, (böse) Überraschungen zu vermeiden. Deswegen halte im Netz nach Testberichten Ausschau. Da wird vieles geschrieben, auch vieles, das für mich nicht relevant oder einfach nicht nachvollziehbar ist. In der Regel ist es eben besser, sich sein eigenes Urteil zu bilden. Also habe ich nach RAW-Dateien gesucht, die ich in Lightroom angucken kann. Das hat vor dem Kauf meiner GF6 auch funktioniert und ich wusste schon vorher, was mich nach dem Kauf erwartet und was ich dem Gerät zutrauen kann. So sollte es auch im Fall der GX80 sein.
Fündig geworden bin ich bei bei dkamera.de. Das Team um Dieter Schönmann bietet freundlicherweise neben Testberichten und Vergleichstests unter anderem auch Vergleichsaufnahmen im RAW- und JPG-Format zum download an. Ich habe zwei Dateien runtergeladen, je eine Aufnahme aus dem low- und high-ISO-Bereich.

Der Einfachheit halber habe ich diese in den gerade aktuellen Import-Ordner von Lightroom mit den Aufnahmen des Vortages hinein kopiert. Das mache ich öfter so, die Fotos werden dann begutachtet, es wird ein wenig herumprobiert und wenn ich genug gesehen habe, werden diese Testbilder wieder gelöscht (von Datenträger entfernt). Diese Methode mag zwar quick and dirty erscheinen (isses auch), hat sich aber zur schnellen Klärung einer Frage zwischendurch absolut bewährt.

Lightroom Dialog zum synchronisieren eines Ordners

Lightroom Dialog zum synchronisieren eines Ordners

Die erste (negative) Überraschung kam dann auch schon sofort, noch lange, bevor ich eine solche erwartet hätte: Nach dem Aufrufen des Dialoges zum Nachimport. Lightroom meldet lapidar, dass diese beiden Dateien nicht erkannt werden. Dabei liegen sie in einem bekannten Rohdatenformat vor.

Lightroom erkennt das Format nicht, obwohl es sich ebenfalls wie bei der Lumix GF6 um das RW2-Format handelt.

Lightroom erkennt das Format nicht, obwohl es sich ebenfalls, wie bei der Lumix GF6 um das RW2-Format handelt.

Wie bitte?? Das ist doch das RW2-Format, genau wie bei der GF6 ?!?!

 

Ah – Moment mal, erst mal nach Updates suchen …. Aber denkste!

Lightroom gibt an, auf dem neuesten Stanz zu sein

Diese Aussage betrachte ich als glatte Lüge!

Und um es noch einmal ganz klar und unmissverständlich darzulegen erscheint im Datenbankmodul anstelle der Vorschau auf die neuen Bilder der Hinweis:

Es wurde nichts importiert, Lightroom verweigert den gehorsam. Ende der Diskussion

Es wurde nichts importiert, Lightroom verweigert den Gehorsam. Ende der Diskussion.

Wie kann das sein, wir befinden uns im Dezember 2017 und die Kamera ist schon seit April 2016 auf dem Markt?
Schon kann ich die ersten Stimmen hören die mir zurufen „Hol Dir doch das Abo, biste immer auf dem neuesten Stand!“

Genau DAS will ich nicht, und das aus mehreren guten Gründen!

Zum einen stellt sich mir die Frage, was aus meinen Dateien wird, sollte ich eines Tages das Abo aus – welchen Gründen auch immer – kündigen. Aber das wurde in den vergangenen Monaten und Jahren, seit Adobe dieses Abo-Modell anbietet, in aller Ausführlichkeit im Netz diskutiert, dieses Thema möchte ich hier nicht wieder aufgreifen.
Zudem zähle ich mich nicht zu den Power-Usern, die immer alles und unbedingt brauchen. Ich kaufe normalerweise ein Programm und nutze diese Version dann mehrere Jahre, bis ich der Meinung bin, dass mein Können bzw. mein Anspruch soweit fortgeschritten ist, dass sich eine neue Version lohnt. So habe ich ziemlich lange mit PS/Elements 4.0 gearbeitet und dann gleich ein Update auf die Version 11 gemacht. Mit dieser arbeite ich immer noch und habe noch nicht das Gefühl, dass diese Software mir Grenzen setzt.

Der Vorteil in dieser Vorgehensweise liegt im finanziellen Bereich: Ich entscheide, wann ich wieviel und wofür ausgebe (so wie ich überhaupt gerne selbst über mein Geld entscheide 🙂 ).
Mit dem Erscheinen von LR5 im Juni 2013 habe ich dieses Programm für 150 Euro gekauft und nutze es seitdem. In der Abo Version hätte ich bis heute mehr als das Dreifache ausgeben müssen, und das für Funktionen, die ich nicht annähernd brauche (z. B. Module für andere Kameramarken).

Wer schaut schon als erstes, noch bevor er die Software installiert, nach der Liste der unbedingt abzuschaltenden Funktionen?

Zum anderen habe ich von einem Kollegen erfahren, dass er vorhat, sein Abo zu kündigen. Einer der Gründe war die unangenehme Überraschung, als er bemerkte, das LR-CC im Hintergrund alle möglichen Fotos aus seiner Datenbank in die Cloud hochgeladen hat. Eine Woche nach der Installation erhielt er eine Mail mit dem Hinweis à la „Ihr Cloud-Speicher ist belegt, Sie können gerne ein weiteres Kontingent dazu mieten“.
Natürlich könnte jetzt jemand einwenden, der Kollege hätte ja vorher einen Blick ins Handbuch/manual werfen können. Schon klar, aber wer macht das wirklich und vor allem: Woher soll man denn wissen, wonach man überhaupt erst mal zu suchen hat?
Dann eben nur Lightroom Classic nutzen?
Nein Freunde, so etwas geht gar nicht. Voreinstellungen zu setzen, die dem User erst einmal verborgen bleiben und ehe er sich versieht, ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen!
Ratet mal, zu wessen Lasten der Upload ging? Der Kollege jedenfalls war schon froh, dass nicht noch seine mobile Datenrate betroffen war.

Schwarmintelligenz ist wohl doch nicht immer die beste Lösung,

oder, wie mein Großvater manchmal zu sagen pflegte: „Leute, fresst Scheiße, 500 Milliarden Fliegen können sich nicht irren.“ (Ihr merkt schon, ich komme vom Land 🙂 ). Bisher sind alle Fotografen, ob Profi oder Amateur, Adobe hinterher gerannt, mich eingeschlossen. Bisher stimmte ja auch alles. LR ist (war) gutes Programm, das viele Funktionen unter einer Oberfläche vereint und somit einen einfachen und gut zu strukturierenden Workflow ermöglicht. Es gab regelmäßige Updates und der Wechsel zwischen den Modulen ist einfach und unkompliziert, ich arbeite (bisher) gerne mit diesem Programm.
Bisher!
Bis vor geraumer Zeit stellte man sich in Firmenzentrale offenbar die Frage:
„Was haben die Anwender für ein Problem?“ und „Können wir ihnen etwas anbieten, was ihnen hilft, damit wir Geld verdienen?“ So weit, so gut.
Seit einiger Zeit aber hat Adobe scheinbar eine Marktposition erreicht, an dem der Wunsch, ein Produkt herzustellen, das für den Anwender geeignet ist, in den Hintergrund rückt.
Stattdessen sagt man sich „Die Leute kaufen es, weil sie uns sowieso hinterher rennen. Wie können wir ihnen das, was sie wollen, möglichst teuer verkaufen? Geben wir ihnen was, aber nicht zu viel, es sei denn, Sie zahlen kräftig!“

Hat Adobe Recht mit der Idee, dass alle User nur noch das Abo-Modell wollen?

Ich zumindest kann mir das nicht vorstellen, oder wie erklärt es sich, dass kaum jemand privat ein Auto Least?
Als Geschäftsfahrzeug ist das vollkommen in Ordnung, das Ding erfüllt seinen Zweck und ist steuerlich absetzbar. Genau wie Lightroom. Wenn der Nutzer die Firma wechselt oder aus dem Berufsleben ausscheidet bleibt das Fahrzeug im Unternehmen und steht dem nächsten zur Verfügung. Genau so Lightroom und die Dateien, die dem Unternehmen gehören.
Was ist aber mit privaten Anwendern oder dem Einzelunternehmer, der seinen Geschäftsbetrieb einstellt? Stellt Euch mal vor, Euer privater Leasingvertrag läuft aus, Ihr könnt das Auto nicht kaufen/übernehmen und könnt nie wieder die Sachen nutzen, die Ihr in diesem Auto nach Hause transportiert habt. Ok, der Vergleich hinkt etwas, wer es schlau anstellt kann vorher seine RAW-Files und die fertigen jpg‘s sichern, aber was ist mit der Bearbeitung, den xmp-files, sei es eingebettet oder als sidecar-Datei? Mir jeden falls ist dieses Abo-Modell suspekt.

Liebe Firma Adobe:
Was ich gerne hätte ist die Möglichkeit, meine bezahlte Software weiter zu nutzen und einen Update-Service für neue Kameras und Objektive.
Und sagt mit nicht, das sei finanziell nicht machbar, woanders geht das schliesslich auch, und noch mehr dazu. Nur das Abo-Modell als einzige Möglichkeit anzubieten halte ich nicht für zeitgemäß. Was meint Ihr, kriegt Ihr das noch hin?

Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit!

Zum Glück gibt es Alternativen, und zwar gar nicht einmal so wenige! Eine nutze ich bereits seit ein paar Jahren, eher aus der Neugierde heraus, weil ich wissen wollte, was dieser RAW-Converter kann.
Genau das hat mir heute den Tag und die Laune gerettet, denn mit Hilfe dieses Programmes konnte ich die RAW-Dateien meiner Wunsch-Kamera öffnen, mir ansehen, bearbeiten und meine Schlüsse ziehen.
Um welches Programm es sich handelt und wie die Alternativen lauten, das will ich in einer kleinen Artikelserie in den nächsten Wochen nach und nach hier vorstellen. Ihr dürft also gespannt sein.
Solltet Ihr beim Lesen den Eindruck bekommen, dass ich einen Aspekt nicht kenne/übersehe/nicht beachte, könnt Ihr mich gerne darauf aufmerksam machen.
Wie sieht es bei Euch aus, welches Programm nutzt Ihr und was habt Ihr für Erfahrungen gemacht?


 

Autor: admin

Technik-Freak. Erster eigener Fotoapparat mit 17, zwei Jahre später die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven. Mehrere Systemwechsel zum vermeintlich besseren Hersteller. Durch die Mitarbeit in einer Foto-AG Ende der Siebziger Jahre durch die dortigen Kontakte zu einem Journalisten die Möglichkeit zu Veröffentlichungen in Hobby- und Computerzeitschriften. Obwohl nie hauptberuflich als Fotograf oder Journalist tätig, sind die Begeisterung für das Schreiben und die Fotografie bis heute geblieben. Letzteres passiert seit 2004 ausschließlich und irreversibel digital.